[Game] RESIDENT EVIL 6

Ein Schock für Special-Agent Leon S. Kennedy. Die Universität von Tall Oaks wird in dem Moment, wo der amerikanische Präsident eine Rede halten soll von einem Biowaffen-Terrorangriff erschüttert. Der T-Virus verwandelt die meisten Anwesenden in Zombies und nicht einmal der Präsident wird verschont. Leon und die Sicherheitsberaterin Helena gehören zu den wenigen Überlebenden und müssen einen Weg aus dem herrschenden Chaos finden. Dabei durchqueren sie einen zerstörten Campus, dunkle Tiefgaragen und einen zombieverseuchten Friedhof zu einer Kathedrale mit einigen Überlebenden. Der Sicherheitschef des Präsidenten Simmons glaubt in Leon und Helena die Schuldigen gefunden zu haben, was die Beiden natürlich nicht auf sich sitzen lassen und alle Anstrengungen unternehmen ihre Unschuld zu beweisen. Dabei müssen sie erkennen, dass eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes im Gange ist, die Freunde und Verbündete sogar zu Feinden machen.
Sie sind aber nicht die Einzigen, die in die Verschwörung hineingezogen werden. Chris Redfield und seinem Partner Piers Nivans kämpfen direkt in einem osteuropäischen Krisengebiet gegen BOWs, Bioorganischen Waffen oder Monster, die von Neo-Umbrellas freigelassen wurden. Durch eine fehlgeschlagene Mission im Ostblock Land Edonia verlor Chris fast alle seine Männer und seine Selbstsicherheit. Neben sich gibt er die Schuld daran Ada Wong, die die Männer in Edonia mit dem C-Virus infizierte. Nun bekommt er seine zweite Chance bei einem Einsatz im chinesischen Tatchi, wo Ada Schuld an einem weiteren Virusausbruch sein soll. Zusammen mit Piers nimmt er die Fährte auf. Kämpf sich über Häuserdächer, durch Gassen bis zu einem Flugzeugträger hin.
Mittendrin steckt auch die junge Sherry Birkin, das einst als kleines Mädchen den Raccoon City Unfall überlebte, welche nun als Agentin der US-Regierung arbeitet. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht den Söldner Jake Muller zu beschützen, in dessen Blut der Impfstoff gegen den C-Virus steckt. Leider werden sie ständig von einem Frankenstein artigem Monster namens Ustanak verfolgt, dessen Arm eine metallische Klaue und mehr als tödlich ist. Ihre Reise beginnt in Edonia sogleich mit einer Flucht vor den Männern von Neo-Umbrella bis ins chinesische Tatchi.
Keiner von ihnen ahnt, dass sich ihre Wege kreuzen und sie alle für die Rettung der Menschheit zusammenarbeiten müssen.

Fazit:
Niemand hätte 1996 gedacht, das ein kleines Action Horror Adventure namens BIOHAZARD für die Playstation solch Wellen schlagen würde. Außerhalb von Japan wurde es RESIDENT EVIL betitelt und läutete die Survival Horror Spiel Ära ein. 16 Jahre später erscheint RESIDENT EVIL 6. Größte Neuerung des actionorientierten Spiels im Vergleich zu Teil 5 ist die Unterteilung in vier Szenarios mit unterschiedlichen Helden und ein Zusammentreffen der Szenarios ab und an, wo die Protagonisten dann zusammenarbeiten müssen. Wer alle Szenarios durchgespielt hat, merkt selbst, dass es schwer ist sie zusammengefaßt zu bewerten, weshalb ich jedes für sich bewerte.
Leons Szenario hat mir mit am besten gefallen, weil endlich wieder das Gruselfeeling der klassischen Resident Evil Spielen zu spüren war. Die ganze Atmosphäre stimmte, gerade mit den Sound- und Lichteffekten wurde die Stimmung gut eingefangen. Bei den Blitzen zum Beispiel zucken selbst die Spielfiguren. Besonders eindrucksvoll finde ich das Flugzeuglevel, welches ich in dieser Art noch nicht gespielt habe.
Wer gleich im Anschluss mit Chris weiterspielt, merkt nach einiger Zeit, dass dieses Szenario von einem anderen Team entwickelt worden ist. Das Handling ist anders und auch die KI verhält sich nicht unbedingt besser, doch zum letzten Kapitel hin, arbeitet sie sogar richtig mit dem Spieler. Obwohl die Grundatmosphäre mit Chris Selbstzweifel, dem gebrochenen Helden, mal etwas anderes ist, ist sein Szenario das Schwächste. Es hätte ebenfalls ein Call of Duty oder Battlefield Szenario mit Monstern sein können. Ebenfalls erinnert es leicht an Gears of War. Klar, es kommt schon Megacool, wenn ein haushohes Monster zwischen den Gebäuden steht, aber das macht Resident Evil allein nicht aus. Die Story scheint bei ihm nur ein Mitläufer zu sein, man bekommt die Verschwörung mit Ada mit, doch entscheidende Elemente gibt es nicht. Spaßig ist ebenfalls den Harrier Jet zu steuern und das Schiff anzugreifen. Ein wenig abheben von dem Call of Duty Syle ist der letzte Abschnitt in der Unterwasserbasis, das eine düstere und unheimliche Stimmung vermittelt. Nur das Quick Time Event im Schacht ist ein wenig unfair durch die teils starre Kamera und festen Charakteranimationen wie aufstehen, die unfreiwillig Zeit kosten können, so das man ein Leben verliert.
Das Jake Szenario erinnert stark an Resident Evil 3, wo der Nemesis Jill Valentine ständig verfolgt, so ist es auch mit dem Ustanak. Die Story um Jake hat zwar gute Grundlagen als Sohn von Albert Wesker und doch wirkt gerade diese Beziehung aufgesetzt. Es wird nie darauf eingegangen, so auch nicht, warum Jake den Antivirus im Blut hat. Ansonsten wurden die Kapitel durchdacht und haben gute Einfälle zu bieten, wie in der Flucht aus Edonia, mit dem Angriff des Ustanak im Flugzeug. Insbesondere die Actioneinlagen auf dem Motorrad und dem Schneemobil machen Spaß. Nach dem Rätsel in der Kirche im Leon Szenario, gibt es hier das zweite größere Rätsel in der Unterwasserstation zu lösen. Leider haben sich diese Rätsel bei RESIDENT EVIL zu “Schalter drücken in der richtigen Reihenfolge” entwickelt. Die Partner KI ist hier wieder besser, als bei Chris.
Mit Ada’s Szenario wollten die Macher die Fans der alten Tage erreichen, indem mehr auf Grusel und auf zahlreiche kleine Rätselszenen wert gelegt wurde. Gerade das Drehrätsel ist besonders gelungen. Das Szenario soll die Geschichte zusammenfassen und Fragen beantworten. Das tut es zwar, aber hier kann geraten werden, alle Schlangensymbole zu finden mit denen Akten und Briefe freigeschaltet werden. Zu lesen sind sie dann im Bonusteil des Spiels und erklären wirklich erst die Motive der Bösewichter. Warum dies nicht im Spiel selbst geschah, wüßte ich gerne. Ansonsten machen die Ada Level viel Spaß, gerade die Hubschraubersequenz und der ganze U-Boot Level. Nur der Schwierigkeitsgrad ist bei normal eigentlich recht hart und besonders hier nervt die Sterbesequenz, in der eigentlich der Partner zur Rettung eilt. Leider hat Ada keinen Partner und dies bedeutet fast immer den Tod. Man merkt, alles ist auf Coop ausgelegt. Ein später nachgereichter Patch gab die Möglichkeit Ada’s Szenario gleich und mit einem Coop-Partner zu spielen, was aber die Dynamik des Szenarios irgendwie störte.
Negativ fallen allgemein mehr technische Dinge auf. So waren zahlreiche Quick Time Events schlecht getimt und nur zu schaffen, wenn Levels bereits gespielt wurden. Auch wenn der Spieler angeschlagen am Boden liegt und auf Hilfe wartet und er nur seine letzten Schüsse abgeben kann, was oft vorkommt, ist es schade, das selbst mit reichlich Gesundheitspillen und Heilspray’s, diese nicht verwendet werden können. Da man aber selbst in der Aufstehsequenz von Monstern wieder angegriffen werden kann, wo kein zugriff aufs Inventar möglich ist, ist manch Tod nicht zu verhindern. Im Vergleich zu RESIDENT EVIL 5 ist die Partner KI wesentlich schlechter, oft kämpft man alleine und der Partner steht nur herum oder blockiert; da war Sheva wesentlich hilfreicher.
Das es in RESIDENT EVIL 6 erstmals eine deutsche Synchro gibt, ist dies eingewöhnlich, doch die Sprecher wurden passend gewählt und geben den Figuren richtig Leben. Sascha Rothermund bringt wunderbare seine raue Art hervor. Was leider auffällt sind zahlreiche unübersetzte in Englisch verbliebene Dialoge von NPCs. Weit schlimmer ist die deutsche Script-Übersetzung, die scheinbar von einem Unerfahrenen stammt, der sich keines Falls mit RESIDENT EVIL auskennt. So sind Anreden in Deutsch, z.B. spricht Leon den US-Präsidenten mit Herr an, was ihn wie einen Butler klingen lässt. Selbst in C-Filmen würde solche Anrede immer Mr. Präsident oder Sir lauten. Auch werden z.B. Titel wie General mal englisch und mal deutsch ausgesprochen. Merkwürdig klingt es ebenfalls wenn Leon Ada und Sherry siezt und das obwohl er Sherry bereits aus RESIDENT EVIL 2 gut kennt, sowie mit Ada eine tiefgehende und gleichzeitig merkwürdige Beziehung hat. Im CG Movie RESIDENT EVIL – DAMNATION hingegen duzen sich die Beiden, hier ist es richtig gemacht worden. Übrigens die dortigen Sprecher sind identisch mit denen jetzt im Spiel. Ein wenig merkwürdig sind Ada’s Sprüche in ihrem Szenario, die teils keinen Sinn ergeben, obwohl diese gemäß ihrem Charakter immer etwas geheimnisvoll und doppeldeutig sind.
Balancing im Spiel scheint oft zu fehlen. Mal können selbst einfache Gegner viel einstecken und schwere Gegner fallen selbst mit leichten Waffen sehr schnell. Auch Heilspray’s und Kräuter sind viel zu selten oder finden sich am Ende nach den großen Gegnern zu Hauff. Nimmt man nun die Partner KI hinzu, die noch Macken hat, entsteht der Eindruck, das Spiel hätte noch etwas länger getestet werden müssen. Es ist zu spüren, dass das Game auf zwei Spieler konzipiert wurde und der Singleplayer darunter leidet. Ein Fähigkeitensystem soll dem Spieler verhelfen besser zu werden. In 8 Slots können je 3 Fähigkeiten verteilt werden, die durch eingesammelte Punkte gekauft und upgegradet werden müssen. Da das Umschalten der Slots in Echtzeit im Spiel geschieht und die Kämpfe dies teils nicht zulassen, wirkt es unausgereift. Auch sind mache Fähigkeiten recht teuer und nicht jedes Level gibt viele Punkte daher. Es ist ebenfalls möglich das Spiel in englischer Sprache zu spielen, wobei angemerkt werden muss, das auch im englischen Stimmen gewechselt haben. Ada und Leon sind nicht mehr identisch mit jenen aus RESIDENT EVIL 4, nur Chris hat seine aus Teil 5 behalten.
Multiplayer und Coop-Modus sind wirklich gut gelungen und bieten zahlreiche interessante Karten mit ähnlichen Orten, wie im Storymodus. Im Bonusteil gibt es den beliebten ‘Mercenaries’ Modus zu spielen. Punktejagd auf Zeit. Ideal um die Steuerung zu üben und sich mit den Waffen, sowie Fähigkeiten vertraut zu machen. Eine interessante Idee ist die ‘Jagd auf Agenten’ Funktion im Storymodus. Ist diese Funktion angewählt, kann ein fremder Spieler als Gegner ins eigene Spiel eingreifen und Jagd auf die Hauptfiguren machen. Wer selbst Jäger werden will, muss dafür im Multiplayerteil den entsprechenden Modi anwählen.
Schaut man sich RESIDENT EVIL 6 genau an, kommt schon in einem das Gefühl hoch, Capcom möchte jeden Gamer, insbesondere die Call of Duty/ Battlefield Gamer, zufrieden stellen. Gerade durch die verschiedenartigen Szenarien wird dies deutlich. Es wirkt spürbar unentschlossen und der Geist, das eigene Vertrauen, das was sie früher bei ihren Hits auszeichnete, fehlt.

Ist nun RESIDENT EVIL 6 ein schlechtes Spiel?

Nein, da es durch die spannende Geschichte und Inszenierung mit vielen guten Ideen. Hätte man dem Game noch etwas Zeit gegeben und am Balancing gefeilt, um zahlreiche Fruststellen zu vermeiden. So hat es ein Neueinsteiger etwas schwerer und wird sich vorkommen, als würde er direkt in ein Kriegsgebiet hineingeworfen. Als großer Fan der RESIDENT EVIL Reihe sehe ich wahrscheinlich alles ein wenig strenger und gebe ehrlich zu, das ich gerade diese Gruselatmosphäre und das Rätseln aus den ersten Spielen vermisse. Ein Rätsel der Entwickler von RESIDENT EVIL 6 ist für mich ungelöst geblieben. Im Logo-Intro sind Spinnen und deren Kokons zu sehen, aber nicht im Game. Wurde hier eine Idee verworfen? … Wer weiß.
Mit der neusten Konsolengeneration ist RESIDENT EVIL 6 als HD Version erscheinen. Inhaltlich wurde nichts verändert. Augenmerk liegt auf der Grafik, die nun eine feinere und detaillierte Optik durch bessere Texturen aufweist. Diese sind zwar auf der Konsole neu, waren aber bereits für die letzte PC Version erstellt worden. Ungeachtet davon spielt sich RESIDENT EVIL 6 immer noch gut und flüssig, und wer es bisher mochte, wird die abwechslungsreichen Szenarios gerne spielen. Trotz aller Schwächen ist es ein dunkles, herausforderndes und spannendes Game mit großartigen Figuren. Besonders erfrischend ist zu sehen, dass aus dem kleinen Mädchen Sherry Birkin aus RESIDENT EVIL 2 nun eine attraktive, taffe Frau geworden ist.

Daten:
Label: Capcom
System: PC, X-Box 360, XBox One, PS3, PS4
Art: 3rd-Person, Action-Adventure
Schwierigkeitsgrad: Mittel
USK: 18

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