[Film] SCHNEEMANN

Eigentlich sollte der Winter in Schwedens Oslo friedlich und angenehm verlaufen, doch ein gefährlicher Mörder treibt sein Unwesen. Als Zeichen hinterlässt er stets einen Schneemann. Zuerst glaubt keiner an einen Serientäter, denn es beginnt für die Ermittlungsbeamtin Katrine Bratt mit Vermisstenfällen. In Schnee fallenden Nächten verschwinden junge Mütter. Davon bekommt Kommissar Harry Hole Wind und wird neugierig. Für ihn die beste Möglichkeit sich von seiner Alkoholsucht abzulenken. Bei der Wohnung der zuletzt Verwundenen fällt Harry ein Schneemann auf, der der Zeichnung auf einem Brief an ihn ähnelt. Zufall? An so etwas glaubt er nicht und forscht tiefer. Ihm fällt ein alter Fall mit Ähnlichkeiten auf. In der Nähe einer übel zugerichteten Frauenleiche wurde ebenfalls ein Schneemann gefunden. Kurz darauf werden Harry und Katrine zu einer Vermissten gerufen und stellen fest, dass es ein Scherzanruf war. Kaum auf dem Rückweg erreicht sie die gleiche Vermisstenmeldung. Ihre Intuition sagt ihnen, etwas stimmt nicht. Sie finden die Frau brutal ermordet auf, ihren Kopf auf einem Schneemann platziert. Harry ist sich sicher, der Mörder spielt mit ihm und ihm bleibt nichts anderes übrig, als drauf einzugehen.

Fazit:
Es beginnt wie in einem typischen Schweden-/Norwegenkrimi-Szenario, was kein Wunder ist, da der Film auf dem gleichnamigen Roman von Jo Nesbø basiert. Eine unheimliche Atmosphäre baut sich um einen mit Problemen beladenen Ermittler auf. Die Geschichte ist Vielschichtig und besitzt zahlreiche Handlungsfäden. Alles ist komplex, wodurch der Zuschauer gespannt die Spuren von Harry mitverfolgt. Dies bleibt aber leider nur bis zur Mitte des Films und dann scheint jemand mit dem Ergebnis des Films unzufrieden gewesen zu sein, denn es gibt einen spürbaren Umschnitt bei dem zahlreiche Fäden offen gelassen werden und sich die Auflösung plötzlich recht einfach gestaltet. Dadurch entstehen Logiklücken und letztendlich sitzt der Zuschauer mit mehr Fragen da, als Harry Hole stopfen könnte. So wird zum Beispiel die Handlung um den Industriellen Arve Støp, gespielt von J.K. Simmons, erst groß aufgebaut und dann offen beendet. Dabei scheint der Mörder extra Spuren zu ihm gelegt zu haben, wie eine Nachricht im Kalender einer Vermissten oder eben, dass er das Mordopfer des alten Falles kannte. Auch das Spiel des Mörders und dessen Spuren werden eingebaut und dann ignoriert. Am Anfang des Films sieht man die Mutter des Täters und wie sie Kaffeebohnen umklammert. Später fallen Harry Kaffeebohnen am Tatort auf, denn der Mörder nutzt sie, um den Mund des Schneemanns zu bauen. Eine Information, die im Sande verläuft. Dann verkleidet sich der Mörder als Handwerker und arbeitet an der Sanierung von Harry’s Wohnung. Eigentlich passiert nichts und so fragt sich der Zuschauer, will er Harry einfach nur auf der Nase herumtanzen, denn dieser findet es nie heraus. Wer sich die beiden Trailer nach dem Film ansieht, wird zahlreiche Szenen und Dialoge finden, die es nicht ins finale Werk geschafft haben. Dies gilt für das Opfer in der Bärenfalle und das brennende Haus, bei dem Harry versucht jemanden zu befreien. Bei den Dialogen wird über den Sinn der zerstückelten Opfer gesprochen, sowie das der Täter als Signatur einen Schneemann am Tatort zurücklässt. Im Film fehlt dies und gerade letzteres ist wichtig wegen dem Titel. Szenen gibt es mit dem Schneemann noch, diese sind aber so inszeniert, dass sie lediglich mit dem Zuschauer sprechen. Unabhängig davon gefällt der internationale Cast und besonders Michael Fassbender verleiht Harry Hole Charaktertiefe und lässt einen mitfiebern. An seiner Seite beweisst sich Rebecca Ferguson, die zahlreiche Fassetten zeigen darf und so einen passenden Partner für Harry schafft. Trotz weniger Szenen weiß Val Kilmer zu begeistern, der mit wenigen Gestiken, sowie aufbrausendem Temperament, den Polizisten Gert Rafto verkörpert. Die visuelle Kameraführung fängt eindrucksvoll die verschneite Landschaft Schwedens ein und auch Marco Beltrami’s sowohl sanfte als auch unheimliche Musik passt hervorragend dazu.
Im Vergleich mit dem Jo Nesbø Roman wird sich teils sehr eng daran gehalten und einige Szenen scheinen direkt daraus entsprungen zu sein. Später wird ein großer Handlungsteil komplett ignoriert und gekürzt, darunter die Motive einiger Figuren und des Schneemanns, sowie viel abgeändert. So stirbt nur im Film eine der Hauptfiguren. Anders darf nicht vergessen werden, dass Romane für eine Umsetzung angepasst werden müssen.
Eigentlich hätte SCHNEEMANN ein grandioser Thriller mit packender, komplexer Geschichte und einem Katz und Maus Spiel zwischen Harry Hole und dem Mörder werden sollen. Leider zerstört dies ein Umschnitt, der die Handlungsfäden zerschneidet und somit Unlogik hinzufügt. Da bringt selbst das großartige Schauspiel von Fassbender und den Anderen nichts. Zwar ist Thriller Unterhaltung geblieben, doch Nachdenken darüber bringt eher Kopfschmerzen.

Daten:
Label: Universal Pictures
Regie: Tomas Alfredson
Darsteller: Michael Fassbender, Rebecca Ferguson, Val Kilmer
Musik: Marco Beltrami – Kamera: Dion Beebe
Länge: 120 Min. / Jahr: 2017

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