[Film] RAMBO: LAST BLOOD

Der Krieg ist vorbei. John Rambo lebt zurückgezogen auf der Familienfarm und kümmert sich ums Land und die Pferde. Lediglich seine liebevolle Haushälterin Maria mit ihrer siebzehn jährigen Enkelin Gabrielle, die für ihn wie eine eigene Tochter ist, füllen das Leben im Haus. Weil er immer noch von Albträumen der Kriege seiner Vergangenheit eingeholt wird, hat er das ganze Land mit Tunneln unterzogen, wo er die Einsamkeit erhält, die er manchmal braucht. John dachte, er müsse nie mehr zu seinem Messer greifen, doch dann änderte sich alles. Gabrielle begibt sich auf eigene Faut nach Mexiko, um dort ihren Vater aufzuspüren und zu erfahren, warum er sie und ihre sterbenskranke Mutter verlassen hatte. Zu ihrem Unglück verkauft eine Freundin sie an die berüchtigten Martinez Brüder, gefährliche Menschen- und Drogenhändler. Umgehend macht sich Rambo auf aus der Hölle zu befreien. Die Martinez Brüder glauben einen einfachen Vater vor sich zu haben, doch sie haben nicht damit gerechnet, einen Feind vor sich zu haben, der selbst ihnen das Fürchten lehrt.

Fazit:
Eine Legende kehrt auf die Leinwand zurück. 11 Jahre nach JOHN RAMBO und 37 Jahre nach RAMBO: FIRST BLOOD wird nun die letzte Geschichte des Vietnam Veteranen erzählt. Zum einen wollte man zurück zu den Ursprüngen, den im ersten Film gezeigten innerlich zerrissenen Charakter, der von seinen schrecklichen Kriegserlebnissen verfolgt wurde und nun Frieden in seiner Heimat suchte. Aber letztlich kam alles anders, wie nun ebenfalls. Der Film teilt sich in drei Akten auf, zunächst die harmonische Farmatmosphäre bei der Rambo seinen Frieden hat, auch wenn er von Albträumen gepackt wird. Diese Harmonie wird gut herausgestellt und auch visuell ansatzweise episch dargestellt. Im zweiten Akt geht es dramatisch zu, mit Gabrielle’s Suche nach ihrem Vater und wie sie in die Hände der Martinez Brüder gerät. Zum einen wird klassisch die Bösartigkeit der Brüder und die Hölle, in die das Mädchen steckt, erzählt. Um nicht zu brachial zu wirken, spielt die Handlung mit Andeutungen und zeigt Ansätze. In Bezug auf Gabrielle besitzt Rambo sogar starke Gefühle, die man seinem sonst so wortlosen, kalten Charakter kaum zutraut. Es gelingt wunderbar in diesem Abschnitt ihm mitzufühlen und kann ihn sogar verstehen. Im letzten Teil konzentriert sich alles auf den Showdown gegen die Martinez Brüder und dem Kampf auf der Farm. Stallone selbst äußerte in Interviews, das Rambo’s vorbereitete Fallen eine Inspiration vom Film ‘Kevin Allein zu Haus‘ sind. Es gibt harte Action, bei dem Rambo all seine Kampferfahrung spielen lässt und viel Blut vergiesst. Zusammengenommen entsteht Actionreiche Unterhaltung, auch wenn die Geschichte nicht unbekannt ist. Viele Ansätze mit Rambo’s Vergangenheitsbewältigung sind leider nur ein modernes stil gebendes Mittel, um den Charakter Tiefe zu geben. Es wäre mehr drin gewesen. Zugegeben hat ‘96 Hours – Taken‘ eine ähnliche Handlung.
Die Inszenierung von Regisseur Adrian Grunberg, der bisher meist nur als Second Unit Regisseur aktiv war, ist sehr solide und die emotionalen Momente hebt er wunderbar hervor. Ebenfalls sind die Action toll inszeniert und passend auf einen älteren Kämpfer, wie Stallone, beziehungsweise Rambo zugeschnitten. Viel zur Atmosphäre beitragen tut die gelungene, teils ergreifende Filmmusik von Brian Tyler, welcher wie schon in JOHN RAMBO Themen der Kultmusik von Jerry Goldsmith einfliessen lässt. Überhaupt beeindruckt der Spund mit klaren und doch krachenden Effekten. Neben Stallone präsentieren sich erfahrene Darsteller, die aber bisher nicht so aufgefallen sind. Alle passen gut und gerade die junge Yvette Monreal (Stargirl) als Gabrielle weiss Emotionen im alten Haudegen zu wecken. Zusammenfassend betrachtet ist es schon eindruckvoll, was sich aus der Romanvorlage von David Morrell entwickelt hat und wie bedeutet RAMBO als Ikone der Achtziger geworden ist.
Wer sich über Stallones andere deutsche Stimme wundert, dem sei gesagt, sein üblicher Sprecher Thomas Danneberg stand aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verfügung, weshalb wie auch schon in CREED II Schauspieler Jürgen Prochnow übernahm. Übrigens Prochnow zählt mit zu seiner ersten deutschen Stimme und sprach ihn in ROCKY Teil 1 und 2.
Mit RAMBO: LAST BLOOD möchte Sylvester Stallone das letzte Kapitel der Ikone erzählen. Im Gesamten ist es ein unterhaltsamer Actionfilm mit einer harten und emotionalen Basis, sowie einem Rachekrieg bei dem kein Gegner trocken bleibt. Leider ist alles sehr einfach gehalten und lässt die mögliche Tiefe eines FIRST BLOOD vermissen. Überhaupt wäre mehr drin gewesen.

Daten:
Label: Universum Film
Regie: Adrian Grunberg
Darsteller: Sylvester Stallone, Paz Vega, Yvette Monreal, Oscar Jaenada
Musik: Brian Tyler – Kamera: Brendan Galvin
Länge: 98 Min. / Jahr: 2019