[Film] RALPH REICHTS


Sehr viele Menschen lieben Videospiele und gingen anstatt vor der Heimkonsole zu sitzen in Videospielhallen, um dort an einem Arcade Automaten einen High Score nach dem Anderen zu jagen. Doch wir Gamer kennen nur die eine Seite des Bildschirms. So ist Randale-Ralph nun schon seit 30 Jahren der Bösewicht in dem 8-Bit-Computerspiel „Fix-it Felix Jr.“ und muss dort alles kaputtschlagen, was der fleißige Handwerker Fix-it Felix Jr. im Nu wieder aufbaut. Dafür wird Felix mit Medaillen und Kuchen belohnt und die Bewohner von Niceland feiern ihm zu Ehren Parties, nur Ralph wollen sie nicht dabeihaben. Niemand schenkt ihm auch nur die geringste Anerkennung und Ralph verkrümelt sich jeden Abend nach getaner Arbeit frustriert in sein eigenes Zuhause: einen Schutthaufen. Er hat einfach keine Lust mehr, der Böse zu sein. Nervlich ist er am Ende, doch auch bei den Treffen der „Anonymen Bösewichte“ können ihn seine Schicksalsgenossen Zangief, Neff oder M. Bison nicht trösten. Als Ralph noch nicht einmal zur großen „Fix-it Felix Jr.“-Jubiläumsfeier eingeladen wird, reicht es ihm endgültig. Er sprengt die Party und verkündet, sich woanders eine Medaille zu verdienen und als Held zurückzukehren. Ralphs Chance kommt schneller als erwartet, als er zufällig einen durchgeknallten Soldaten aus dem Hightech-Ego-Shooter „Hero’s Duty“ trifft, der von der Heldenmedaille berichtet, die man dort erlangen kann. Kurzerhand klaut er dem Soldaten die Rüstung und stiehlt sich heimlich über die Game Central Station, einen Verkehrsknotenpunkt, der alle Spiele der Spielhalle miteinander verbindet, in das moderne Hightech-Game. So gemächlich wie in seinem nostalgischen Zuhause geht es dort natürlich nicht zu. Die Welt in „Hero’s Duty“, ein apokalyptischer und düsterer Planet, wird von so genannten Cy-Bugs bedroht, fliegenden Käfern, die einfach alles vernichten. Sergeant Jean Calhoun und ihre Einheit müssen das verhindern – mit modernsten Waffen. Panisch und ängstlich sorgt Ralph für ein totales Chaos. Dennoch gelingt es ihm mit seinen Riesenpranken, den hohen Turm zu erklimmen, wofür er mit der Heldenmedaille ausgezeichnet wird. Aus Angst erwischt zu werden flüchtet er mit einem Shuttle und rast er durch die Game Central Station direkt in das zuckersüße Racing-Game „Sugar Rush“. Leider hat er einen unliebsamen Copiloten dabei, einen Cy-Bug. Nach seiner Bruchlandung im Zuckerguss muss sich Ralph erst einmal orientieren – überall Lutschstangen und andere Süßigkeiten. Eine putzige, kitschige Welt komplett aus leckeren Naschereien und wohl kaum ein Ort, an dem Helden geboren werden. Und dann wird Ralphs Medaille auch noch von der kleinen frechen Göre Vanellope von Schweetz gemopst. Sie braucht das Goldstück als Startgeld für das kommende Sugar-Rush-Rennen. Denn ihr Traum ist es, endlich eine Rennfahrerin zu sein. Aber da Vanellope ein Programmierungsfehler ist, darf sie nicht an dem Rennen teilnehmen – King Candy persönlich, Herrscher von „Sugar Rush“, hat es verboten. Dennoch gelingt es Vanellope, die Medaille in den Pokal zu werfen und sich zu qualifizieren. Weil Ralphs Fehlen die Existenz von „Fix-it Felix Jr.“ gefährdet, macht sich Felix persönlich auf den Weg, um seinen Gegner zu finden und ins Spiel zurückzuholen. Die Spur führt ihn nach „Hero’s Duty“, wo er sich mit Sergeant Calhoun zusammentut und sich sogleich in die taffe Kommandantin verliebt. Doch sie kennt nur ein Ziel: den geflüchteten Cy-Bug zu erledigen, bevor er Eier legt und damit ganz „Sugar Rush“ ins Verderben stürzt. Nun müssen sie Ralph zur Vernunft bringen, nicht nur um die eigenen Games zu retten, sondern auch seine neue Freundin Vanellope.

Fazit:
RALPH REICHTS ist eine rundum gelungene Animationskomödie, die jung und alt begeistern wird. Natürlich werden besonders Gamer ihren Spaß haben die zahlreichen Gastauftritte ihrer Videospielhelden zu erkennen, sei es Sonic The Hedgehog, Q*Bert, Ken aus Street Fighter oder Bowser aus dem Mario Universum. Dazu kommen zahlreiche Anspielungen zu alten und aktuellen Games. Die Inszenierung wurde brillant durchdacht und schafft es immer zwischen Action und amüsanten, ruhigeren Szenen zu wechseln, aber auch den jeweiligen Stil der Computerwelt festzuhalten und so eine ergreifende, vielschichtige und überraschende Geschichte zu erzählen. „Randale-Ralph ist der Bösewicht eines alten Arcade-Videospiels aus den 80er Jahren, der ins Grübeln kommt, nachdem er 30 Jahre lang die ihm zugewiesene Rolle gespielt hat, und sich fragt: Kann das wirklich alles sein?“, sagt Regisseur Rich Moore. „So wie die meisten von uns, denkt auch er, dass es für seinen inneren Konflikt irgendwo da draußen eine einfache Lösung geben muss, und er weiß auch, wie sie aussehen könnte: Gelänge es ihm, nur eine einzige Medaille zu gewinnen, dann würden ihn alle sicher ebenso lieben und schätzen wie Felix.“
„Also zieht er durch die verschiedenen Arcade-Videospiele und versucht, sich diese Medaille zu verdienen“, ergänzt Produzent Clark Spencer. „Aber das eigentliche Ziel für ihn – und jeden anderen – ist es natürlich, sein wahres Ich zu erkennen und zu beweisen, dass weit mehr in ihm steckt als das, worauf er programmiert wurde. Der Film ist zwar in Computerspielwelten angesiedelt, mit allem, was dazugehört, aber als Basis dient eine total nachvollziehbare Geschichte. Wir haben uns an einem bestimmten Punkt im Leben doch alle schon gefragt, ob es da nicht noch etwas anderes gibt, ob man mehr erreichen kann. Wir haben doch alle schon von so einem Abenteuer geträumt.“
So bewegen sich die 8-Bit Charaktere teils ruckartig, so wie die Spiele einst in den 80zigern programmiert waren. Es ist zu spüren, dass sich alle besonders mit der Retro-Gamewelt vertraut gemacht haben und diese schätzen. Viel Freude macht ebenfalls die zuckersüße Sugar-Rush Welt mit ihren tausenden von Süßigkeiten, die jeder schon mal gegessen hat. Ich sagt nur: Oreo. Aber auch die Kakaopulverstrasse, den Mentos-Vulkan oder die vielen Zuckerstangenbäume möchte man am liebsten besuchen und probieren. Nur einen Gastauftritt der M&M’s habe ich vermisst. Henry Jackman hat bei seiner Musik einen Spagat geschafft die typischen Klänge der alten Computerspiele mit modernen Melodien zu vermischen und so einen erinnerungswürdigen Soundtrack zu hinterlassen. Wer die Schauspieler der englischen Stimmen kennt, wird sofort Ähnlichkeiten zwischen John C. Reilly und Sarah Silverman als Ralph und Vanellope erkennen. Doch auch ihre deutschen Versionen, Christian Ulmen als Ralph und Anna Fischer als Vanellope machen sehr gute Arbeit. Gerade von Ulmens emotionaler Darbietung war ich überrascht und finde, dass es einer seiner besten Arbeiten ist.
Alle Kinobesucher sollten in dem Kino ihrer Wahl die Augen offen halten, denn in einigen wurde ein „Fix-it Felix Jr.“ Spielautomat aufgestellt, bei dem Gratis gezockt werden kann. Mit RALPH REICHTS bringt Disney einen Animationsfilm heraus, der mit Liebe und Hingabe gemacht wurde und sich hervorragend zu den Klassikern gesellt. Sehr zu empfehlen ist ebenfalls der animierte Kurzfilm vor dem Hauptfilm. In Schwarzweiß wird eine wortlose romantische Geschichte mit einer Prise Humor erzählt, wie zwei Menschen einander finden. Sehenswert.
Die Blu-ray hat ein wunderbar flüssiges, farbenreiches Bild und gut ausgesteuerten Ton. Das 3D funktioniert.

Daten:
Label: Disney Entertainment
Regie: Rich Moore
Sprecher: Christian Ulmen, Anna Fischer
Musik: Henry Jackman
Länge: 101 Min. / Jahr: 2012
Format: 16:9 2.39:1 / Ton: DTS-HD 5.1 (Deutsch/Englisch)
Extras: Kurzfilm ‘Im Flug Erobert’, Making of, TV-Spots, Deleted Scenes

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