[Film] MORD IM ORIENT EXPRESS

Der Orient Express verbindet die Strecke von Istanbul bis Paris und bietet den Reisenden puren Luxus. So konnten sich nur betuchte Menschen die Zugreise leisten. Etwas was der exzentrische Meisterdetektiv Hercule Poirot gerne um sich hat. Wegen eines wichtigen Auftrages in London muss er Istanbul verlassen. Beinahe hätte er keinen Platz im Zug bekommen, doch da sein geschätzter Freund Bouc Besitzer des Express ist, wird ihm gleich Platz gemacht. Schnell fallen ihm die ungewöhnlichen Passagiere auf, es beginnt mit der nervigen Mrs Hubbard, die ihn mit Worten nur so überschüttet, die arrogante Prinzessin Dragomiroff oder die selbstbewußte Mary Debenham. Aus dem Rahmen fällt besonders der düster blickende amerikanische Geschäftsmann Ratchett. Während des Abendessens kommt dieser auf Poirot zu und will ihn als Leibwächter anheuern, doch Poirot lehnt ab. Später bereut er es, denn in der Nacht drauf geschehen seltsame Dinge. Ständige Geräusche wecken ihn und eine unbekannte Frau in einem roten Kimono klopft sogar an sein Abteil. Letztlich gerät der Express noch in eine Lawine und wird zwangsläufig gestoppt. Am Morgen drauf wird Ratchett ermordet aufgefunden. Getötet in einem abgeschlossenen Raum. Bouc überredet Poirot den Mord aufzuklären, der sich gerne dieser Herausforderung stellt.

Fazit:
Kenneth Branagh hat sich Agatha Christie’s berühmten Roman MORD IM ORIENT EXPRESS angenommen und ihn klassisch mit einem Hauch modernem verfilmt. Gleichzeitig ist der der Vorlage treu geblieben. Mit Hilfe von eindruckvollen hellen Bildern und eben dem Luxus im Zug präsentiert er den Orient Express wie einen eigenen Charakter, wodurch sich die Geschehnisse flüssig miteinander vermischen. Die Figuren sind überhaupt recht gut dargestellt und strahlen alle das richtige Mass an Undurchsichtig und Geheimnisvoll aus. Die Spannung wird langsam aufgebaut und ebbt auch nicht nach dem Mord ab, wo eigentlich nur Verhöre stattfinden. Hier wurden einige kleiner Actioneinlagen eingeflochten, denn Branagh’s Poirot ist nicht nur ein sehr genauer und eitler Typ, auch ist er mehr ein Mann der Tat, der auch agiert. Die Schauspieler wurden sehr gut gewählt, ob nun Johnny Depp als raurer Ratchett oder Michelle Pfeifer als nervige Mrs Hubbard. Gleichzeitig ist leider zu spüren, dass Branagh nicht alle Freiheiten besaß. So sind viele Dialoge aufs wesentliche beschränkt und manche eigentlich wichtige Figuren wie Mrs Hubbard oder das Adelspaar Andrenyi geraten schnell in den Hintergrund. Dagegen wurde der Nebencharakter Mary Debenham, gespielt von Daisy Ridley, viel mehr in den Focus gerückt. Handlungstechnisch hätte es aber Mrs Hubbard sein müssen. Gut, dies könnte mit strategisch gedacht worden sein, denn Ridley spielt in STAR WARS eine Hauptrolle und ihr Film läuft gut vier Wochen später im Kino. Dies soll aber ihre Leistung nicht schmälern, den Ridley brilliert als Debenham und bringt moderne Stärke mit. Auch wirkt die wichtige Auflösung recht schnell abgehandelt.
Weitere Stars des Films sind die eleganten Kostüme und die edlen Kulissen, sowie die tollen visuellen Eindrücke mit denen Branagh spielt. Schnee und Eis geben dem ganzen einen bläulichen Stich und sorgen für eindruckvolle Szenen, wie jener Moment, bei dem Poirot auf dem Express läuft. Mit Anerkennung zitiert er optisch und dialogtechnisch, die bisher berühmteste MORD IM ORIENT EXPRESS Verfilmung von 1974, inszeniert von Sidney Lumet und mit Albert Finney als Hercule Poirot. Ebenso tut es Musikkomponist Patrick Doyle mit seinen klassischen und epischen Melodien. Den großartigen Song ‘Never Forget‘ im Abspann singt übrigens Michelle Pfeifer.
MORD IM ORIENT EXPRESS gehört mit zu den berühmtesten Kriminalgeschichten überhaupt und wurde von Kenneth Branagh frisch und visuell eindruckvoll umgesetzt. Die hervorragende Besetzung trägt sehr zur Lebendigkeit bei und zusammen wird eine spannende Atmosphäre geschaffen. Klar hat der Film einige Schwächen, doch der Kern blieb erhalten. Branagh gibt Poirot eine moderne Note und man würde sich freuen ihn in einem weiteren Fall ermitteln zu sehen.

Daten:
Label: 20th Century Fox
Regie: Kenneth Branagh
Darsteller: Kenneth Branagh, Daisy Ridley, Johnny Depp, Michelle Pfeiffer
Musik: Patrick Doyle – Kamera: Haris Zambarloukos
Länge: 114 Min. / Jahr: 2017

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