[Film] GEMINI MAN

Kann ein Agent für spezielle Aufgaben einfach so in den Ruhestand gehen? Henry Brogan zählt zu den Besten seines Fachs. Besonders bei seiner letzten Mission als Auftragskiller beweisst er seine Professionalität, er erledigt das Ziel in einem fahrenden Schnellzug. Doch dann sickert durch, dass er falsch informiert wurde und einen renommierten Wissenschaftler tötete, weshalb er von den Behörden gejagt wird. Trotz gemeinem Unterschlupf kann er nicht zur Ruhe kommen. Zunächst bemerkt er von der hübschen Analystin Danny Zakarweski überwacht zu werden. Dies amüsiert ihn, doch als in der nächsten Nacht ein Killerkommando auftaucht, muss er auch Danny retten. Zusammen fliehen sie weit weg, doch die Verfolger geben nicht auf. Als Drahtzieher muss Clay Verris einen besonderen Attentäter die Mission übertragen, einer der Henry ebenbürtig ist und scheinbar jeden seiner Schritte erahnen kann. Für Henry wirkt es, als kämpfe er gegen sich selbst, aber ist dies überhaupt möglich?

Fazit:
GEMINI MAN ist ein spannender und unterhaltsamer Actionthriller, der nicht nur Science Fiction Elemente einfließen lässt, sondern ebenfalls versucht klassische Erzählung mit moderner Visualität zu vermischen. Mit Henry’s geheimnisvollem Gegner, der ihn zu kennen scheint, kommt Dramatik auf. Wer aber bereits einen Trailer des Films gesehen hat, verspürt leider kaum Überraschung, das Henry seinem jungen Ich gegenübersteht. Diese Konzellation ist wirklich gut ausgearbeitet und das Herz der Handlung. Die Actionszenen, sei es der Kampf in den Katakomben oder die Verfolgung mit dem Motorrad ist packend und gerade durch die virtuose Kameraführung toll inszeniert. Unglücklich sind hier teils zu schnelle Bewegungen der Personen, die den Animationen zu schulden sind. Klar mussten sie sein, weil eben nicht alles real umzusetzen ist, doch gerade dadurch wirken die Szenen überzogen und unrealistisch. Die Figuren wissen zu gefallen, besonders Henry und Danny ergänzen sich toll. Ungewöhnlich platt und lieblos wirkt das Ende mit Clay Verris. Hier wäre mehr drin gewesen.
Regisseur Ang Lee weiß seine Hauptdarsteller passend anzuleiten und weiß ein visuelles Effektkino zu inszenieren. Dazu zählt besonders seine gewählte Filmtechnik HFR, was für das High-Framerate-Verfahren steht und 60 statt 24 Bildern liefert. Zwar hat das 3D-Kino so mehr Tiefe, doch gleichzeitig ist das Bild hell, sehr klar und überdeutlich. Es ist nicht der übliche Kinolook, wodurch alles nach Fernsehen wirkt, besonders nach einer Dokumentation. Weil es ungewohnt für den Zuschauer erscheint, braucht es Eingewöhnung.
Schauspielerisch beeindruckt Will Smith, der auch seinen Ebenbild Junior verkörpert. Spürbar hat er viel trainiert, was gerade den Duellmomenten auch im Dialog erfreut. Die Verjüngung Smith’s ist tricktechnisch ansprechend und funktioniert. Besonders Mary Elizabeth Winstead als Danny raubt Smith an einigen Stellen mit ihrem Feingefühl die Show. Clive Owen macht als Clay Verris auch eine gute Figur, sowohl Emotionen und Kaltblütigkeit hebt er heraus, denn hätte er mehr aus Verris herausholen können.
GEMINI MAN ist ein spannender Actionfilm, der eben sehr solide ist. Zwar hätte er das Potential für mehr gehabt, doch er bleibt lediglich stabil und unterhaltend. Scheinbar war Ang Lee sein Dreh in HFR wichtiger, was Geschmackssache bleibt. Gerade Will Smith und Mary Elizabeth Winstead retten die Handlung durch lebendige Momente.

Daten:
Label: Paramount Pictures
Regie: Ang Lee
Darsteller: Will Smith, Mary Elizabeth Winstead, Clive Owen, Benedict Wong
Musik: Lorne Balfe – Kamera: Dion Beebe
Länge: 117 Min. / Jahr: 2019