[Interview] STEPHEN McFEELY, CHRISTOPHER MARKUS – CAPTAIN AMERICA 2

“Helden müssen mehr Verantwortung übernehmen”

Stephen McFeely und Christopher Markus begannen ihre Arbeit als Drehbuchautoren mit der Biographie Verfilmung The Life and Death of Peter Sellers. Doch richtig aufmerksam auf ihre Begeisterung für phantastische Stoffe erzielten sie durch ihre Skripten zu den drei Chroniken von Narnia Filmen: Der König von Narnia, Prinz Kaspian von Narnia und Die Reise auf der Morgenröte. Marvel zeigte Interesse und so schrieben sie Captain America – The First Avenger. Zwischendurch folgte Pain & Gain für Regisseur Michael Bay, bevor es mit dem zweiten Abenteuer des Donnergottes Thor – The Dark Kingdom weiterging. Gerade arbeiten die beiden kreativen Geister an der zweiten Marvel TV-Serie Agent Carter, um Agentin Peggy Carter, die Steve Rogers in den Anfängen betreute, sowie am Drehbuch von Captain America 3, besser als THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR bekannt. Ich durfte 2014 mit den Beiden über Captain America’s zweiten Einsatz The Return of the First Avenger ausführlich sprechen, wobei sie schon manche Andeutungen über die Zukunft machten, was jetzt wunderbar passt.

SR: Wie habt Ihr Euch ins Thema eingearbeitet? In den Comicladen marschiert und jedes Captain America Comic, das Ihr in die Finger bekommen konntet gekauft?

McFeely: (lacht) Ja, so war es wirklich. Ich habe glaube ich einen ganzen Tag dort verbracht, um mich einzudecken.

Markus: (lacht) Ich dagegen sammelte schon seit meiner Jugend, musste mir nur eine ganze Reihe der aktuelleren Comics organisieren. Aber hier war Marvel eine große Hilfe.

SR: Kam der Vorschlag die Geschichte des ‚Winter Soldier’ zu verfilmen von Euch oder Marvel?

captain_america_winter_soldier-0003McFeely: Die ‚Winter Soldier’ Storyline gehört mit zu den beliebtesten Comics und auch wir mochten sie sehr gerne. Wir haben gleich daran gedacht, weil Marvel äußerte, das sie gerne Bucky Barnes, Steve Rogers besten Freund, zurück hätten. Auch von Seiten der Fans hörten wir, das sie es Schade fanden, ihn schon im ersten Teil sterben zu sehen. Zum Glück gibt es passendes Comicmaterial, um ihn in die neue Geschichte einzubauen. Beide Seiten hatten irgendwie die gleiche Idee.

SR: Wie kann man sich Eure Zusammenarbeit vorstellen? Habt Ihr ein gemeinsames Büro oder teilt ihr das Skript auf?

Markus: Von allem etwas. Zuerst haben wir eine Outline verfasst und uns dann mit den Leuten von Marvel versammelt. Dies ging über einige Monate hinweg, wo wir alle Feinheiten besprachen, in welche Richtung der Film gehen sollte. Danach haben Stephen und ich die Ideen aufgeteilt und uns in unsere eigenen Büros verzogen und schrieben unterschiedliche Versionen von den Szenen. Nach vier oder fünf Wochen hatten wir ein dickes aber so lala Skript und setzten uns zusammen, um es zu analysieren und zu etwas besserem umzuarbeiten.

SR: Wie lange hat es von der ersten Idee bis zum finalen Skript gedauert?

McFeely: Wenn man mit Marvel arbeitet, muss man sich auf einen langen Prozess einlassen. Wir haben ungefähr im August 2011 angefangen und die Dreharbeiten endeten im August 2013. Wir waren oft am Set und haben stetig Änderungen und Anpassungen vorgenommen. Das zeigt, dass sich ein Drehbuch immer entwickelt.

SR: Gab es von Marvel Richtlinien oder Fakten, die im Drehbuch sein mussten, da sie evl. bei anderen Marvel-Filmen aufgegriffen werden?

Markus: Wir waren schon gut informiert was Marvel zukünftig plant. Es ist aber nur ein grobes Gerüst und es kommt wirklich nur selten vor, dass sie etwas bestimmtes eingebracht haben wollen. Das ist wirklich sehr selten. Ansonsten hatten wir freie Hand und klar gibt es Dinge, die wir nicht machen dürfen. Wir können ja nicht Steve Rogers töten, da sie ihn im zweiten Avengers Film brauchen. Abgesehen von Charakteren zu töten, konnten wir so gut wie alles tun.

McFeely: Grundsätzlich war es eine kooperative Zusammenarbeit aller. Wir streuten Ideen dazu, Marvel packte Ideen dazu und so entstand die Suppe, die uns allen schmeckte.

SR: Wie war die Zusammenarbeit mit den Regisseuren Anthony und Joe Russo?

captain_america_winter_soldier-0004Markus: Wir haben uns gut verstanden. Sie kamen zum Projekt als wir unser erstes Skript vorstellten und hatten Millionen Referenzen von Filmen aus den siebziger Jahren im Kopf, die sie gerne einbringen wollten. Wie Szenen aus Brian De Palmas Werken. Es war sehr interessant. Überhaupt waren wir erstaunt, denn sie hatten so ziemlich die gleiche Vorstellung vom kommenden Film, wie wir selbst. Und sie waren uns sogar voraus, denn sie wussten, wie man daraus den Film machte. Wir dagegen müssen das noch lernen. (lacht)

SR: Wenn Ihr zurückblickt. Was war das Lustigste und was das Herausfordernste an Eurer Arbeit?

McFeely: Hmmm. Also die größte Herausforderung ist einfach zu sagen, das war in der Mitte des Films, wo nach Dr. Armin Zola gesucht wurde, der jetzt ein Computer war. Hier laufen eine ganze Menge Fäden zusammen und dies war ein wichtiger Bestandteil des Comics, dem wir sehr getreu werden wollten. Es sollte Bodenständig und Real klingen und nicht zu sehr nach Science Fiction. Wir haben es oft umgeschrieben.

Markus: Lustig war auf jeden Fall, das unsere Idee funktionierte Garry Shandling (Senator Stern) aus Iron Man 2 zurückzubringen. Er ist sehr humorvoll und allein seine Anwesenheit hat uns zum lachen gebracht, wie auch jetzt, wenn wir davon erzählen. (lacht) Garry ist jemand, der einfach nicht aufhören kann zu improvisieren, weshalb so viele verrückte und lustige Szenen mit ihm entstanden sind. Leider sind davon nur wenige im Film geblieben.

SR: Der Film erzählt vom Krieg: HYDRA gegen SHIELD. Wie wichtig ist SHIELD im Marvel Universum?

Markus: Ich glaube, dass sie zu den Grundfesten im Marvel Universum zählt. Sie ist schon recht übermächtig. Haben wir zum Beispiel eine geheime Superorganisation von Polizisten, die die Welt kontrollieren, limitiert es natürlich auch die Möglichkeiten deines Superhelden. Gerade wegen diesem Gedanken erlaubte uns Produzent Kevin Feige SHIELD zu Fall zu bringen. Die Helden müssen nun wieder mehr Verantwortung übernehmen.

SR: Welche Auswirkung wird die SHIELD Krise auf die kommenden Filme haben? In der Serie Marvel’s Agents of SHIELD wurde sie bereits eingebaut.

captain_america_winter_soldier-0002McFeely: Wir waren selbst erstaunt, wie die Krise die Serie beeinflusste. Dort werden sie sich in der zweiten Staffel sicher intensiver damit auseinandersetzen. Welchen Einfluss es aber auf die kommenden Filme haben wird, das bleibt vorerst unser Geheimnis.

SR: Derzeit arbeitet Ihr am Drehbuch von THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR. Habt Ihr Rückblickend gelernt, was funktionierte und was nicht und Euch vielleicht auch mit den Gedanken der Fans auseinander gesetzt?

McFeely: Ich habe mir schon ein wenig die Meinungen der Fans im Internet durchgelesen, aber ich versuche nicht zu stark darauf zu hören, weil man sonst seinen eigenen Faden verliert.

Markus: Den Fans gerecht zu werden ist eh schwer und ihnen das zu geben, was sie wollen. Wir wollten den Charakteren treu bleiben und diese weiterentwickeln. Und wir freuen uns sehr, wenn es den Zuschauern gefällt.

SR: The Return of the First Avenger ist eine Mischung aus Superhelden und Spionage Film.

Markus: Kein Wunder, wir sind mit den James Bond Filmen aufgewachsen. Aber bei einem genauen Blick, ist auch Bond wie Captain America ein Superheld der Supersachen macht. Doch wenn man die Figuren in eine verzwickte politische Angelegenheit und Verschwörung verstrickt, hat man einen interessanten Kontrast, weil sie abgesehen von ihren Kräften eine andere Lösung finden müssen. Auch wenn wir einen gigantischen Helicarrier Kampf haben, war es uns wichtig, die Geschichte bodenständig zu halten.

McFeely: Für uns ist es das größte Kompliment, wenn jemand sagt, dass wir einen Spionagefilm mit einem Superhelden geschrieben haben. Wir wollten einfach einen guten Film machen.

SR: Viele Drehbuchautoren werden zu Regisseuren. Wie wird es bei Euch sein?

captain_america_winter_soldier-0001Markus: Ob nun bei einem Marvel One-Shot oder gleich einem Film Regie führen, es wäre der nächste logische Schritt, solange wir mit Marvel arbeiten. Noch haben wir mit dem Schreiben genug zu tun. Aber wer kennt schon die Zukunft?

McFeely: Wir sind bei der neuen Marvel Serie Agent Carter Executive Producers, was auch für uns ein neuer Schritt auf der Karriereleiter ist.

SR: Das war alles sehr interessant, vielen Dank dafür.

Markus: Hat uns auch Spaß gemacht über unsere Arbeit zu sprechen.

McFeely: Dann weiß man wenigstens, wie hart sie war. (lacht) Das der Film so vielen gefallen hat, war auf jeden Fall der schönste Lohn.

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Interview in abgewandelter Form erstmals erschienen im Magazin: Nautilus – Abenteuer & Phantastik, www.fantasymagazin.de

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