[Interview] JULIE ENGELBRECHT – THE LAST WITCH HUNTER

last_witch_hunter-0001Die sympathische Schauspielerin wuchs als Tochter der deutschen Schauspielerin Constanze Engelbrecht und des französischen Regisseurs und Schauspielers François Nocher auf. An der Seite ihrer Mutter war sie erstmals im Film Adieu, mon ami zu sehen. Ihr Karriere entwickelte sich in unzähligen deutschen Fernsehproduktionen weiter. So wirkte sie in Tatort, SOKO und Inga Lindström mit. Ehrgeizig wie sie ist, wagte sie den Sprung nach Amerika, wo sie in der Serie The Strain auftrat und nun mit The Last Witch Hunter ihren ersten internationalen Kinofilm präsentiert. Als mächtige Hexenkönigin darf sie dem Helden Kaulder alias Vin Diesel reichlich Feuer unter dem Hintern machen.

SHORTREVIEW: Kannst Du mir etwas über Deine Rolle der Hexenkönigin erzählen?

Die Hexenkönigin ist ein Wesen so alt wie die Natur mit unglaublichen magischen Kräften. Der seit Jahrhunderten andauernde Kampf zwischen Menschen und Hexen hat, durch den von Vin Diesel gespielten letzten Hexenjäger, viele Opfer gefordert, für die sie sich Rächen will. Sie kämpft für das Überleben ihrer Spezies und möchte das Gleichgewicht der Welt wieder herstellen. Kaulder und die Hexenkönigin verbindet dabei eine besondere Chemie. Ich würde Dir gerne mehr erzählen, darf aber leider nicht mehr verraten.

SR: Im europäischen Mittelalter waren Hexenverbrennungen und -Jagd präsent. Hast Du Dich damit zur Vorbereitung auseinandergesetzt?

Ich habe mich intensiv mit der Mythologie der Hexen und der Zeit der Hexenverfolgung beschäftigt. Ich war schockiert, dass selbst noch heute in einigen Ländern in Afrika Hexenverfolgung betrieben wird und Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Für mich war diese Recherchearbeit sehr wichtig, um die Perspektive meiner Figur zu verstehen.

SR: Wie war die Arbeit mit Regisseur Breck Eisner?

last_witch_hunter-0004Breck ist ein unglaublich lieber Mensch und toller Regisseur, der es geschafft hat, selbst unter dem enormen Druck einer großen Produktion ein menschliches Bindeglied zwischen den einzelnen Gewerken zu sein. Ob nun zwischen Schauspielern, Kamera, Licht und Maske. Er ist für alles verantwortlich und hat einen beeindruckenden Job gemacht.

SR: Was für eine Art Regisseur ist er? Gibt er präzise Anweisungen oder Freiheiten im Spiel?

Breck hat eine sehr präzise Vision von dem, was er auf die Leinwand bringen möchte und doch war er sehr offen für Anregungen und Vorschläge von mir. So spielten wir uns gegenseitig die Bälle zu und vieles davon wird man im Film sehen. Er hat mir und meiner „Witch Queen“ sehr großes Vertrauen geschenkt. Für mich war es eine tolle Erfahrung mit ihm zu arbeiten.

SR: Wie war es bei einem Film mit vielen Special Effects und Green Screen mitzuwirken?

Schön war, dass wir gar nicht so viel Greenscreen hatten, da wir an fantastischen Locations gedreht haben und ein unglaubliches Productiondesign hatten. Breck war es wichtig, dass sich der Film real anfühlt, weshalb wir beispielsweise eine Woche unter Tage in einer alten Miene gedreht haben. Diese Orte beflügeln dann auch die Fantasie beim Spielen.
Mit Special oder Visual Effects zu arbeiten, war für mich eine völlig neue Erfahrung – es forderte mich heraus, mir Dinge vorzustellen und mit der Phantasie auszumalen, die später erst in der Postproduktion, für den Zuschauer lebendig werden.

SR: Wie war die Zusammenarbeit mit Vin Diesel?

Die Chemie zwischen uns war von vornherein einfach grandios.
An meinem ersten Tag am Set, ich war eigentlich nur wegen einer Kostümprobe da, hatte ich mich an den Rand gestellt, um bei einer Szene zwischen Vin Diesel und Michal Caine zu zuschauen. Als Vin mich sah, kam er rüber und schloss mich gleich in die Arme. Wir haben uns von Anfang an verstanden und gerade durch unsere zahlreichen Gespräche den Figuren Leben eingehaucht. Dieser gemeinsame kreative Prozess hat mir viel Spaß gemacht, wie auch die Arbeit mit Vin.

SR: Mit Michael Caine hattest Du Schauspiellegende vor Dir.

last_witch_hunter-0005Ich habe ihn schon immer bewundert und er ist in seinem Können ein absoluter Meister. Ich war ehrfürchtig und erfreut, Teil der gleichen Arbeit zu sein.

SR: Du spielt eine böse Königen. Macht es Spaß Böse zu sein?

Absolut.(lacht) Es war eine große Herausforderung und hey, wann hat man schon mal magische Kräfte. Für mich war es wichtig meine Figur zu vestehen und ihr eine Menschlichkeit zu geben. Weshalb handelt jemand wie er handelt, was sind seine Ängste und Nöte, sonst wir das „Böse“ nur plakativ. Es ist eben alles eine frage der Perspektive. Wenn Du die Hexenkönigin fragen würdest, was sie von den Menschen denkt, kannst Du Dir die Antwort ja vorstellen. Sie ist aus ihrer Sicht jemand, der ihre Familie beschützt. Es ist eben nicht alles „Schwarz und Weiss“.

SR: Wie stehst Du zu Fantasy Filmen und warum üben sie einen so großen Reiz auf die Zuschauer aus?

Schon seit den Anfängen der Menschheit gibt es Geschichten, Fabelwesen, Mythologien, Götterwelten, etc.- ich glaube, dass die Faszination für fantastische Welten, tief in unserer DNA liegt. Sie erzählen von einer anderen Welt und doch von uns selber. Auch kann man in diesen Geschichten eine Fantasie für Dinge wecken, die die Wissenschaft nicht erklären kann. Die Unsterblichkeit ist eines der spannenden Themen in The Last Witch Hunter. Wäre es erstrebenswert? Was kommt nach dem Tod? Diese Fragen gibt es so lange wie die Menschheit selber.

SR: Du hast in deutschen und amerikanischen Produktionen mitgewirkt, welche Unterschiede gibt es?

Zum einen die schon erwähnten Special Effects, die für mich in einem großen Umfang auftraten. Dann diese gewaltige Logistik mit dem Aufeinandertreffen der unzähligen Gewerke, wodurch sich ein immens großes Team versammelt. Hier spürte ich den Teamgeist, wie alle an einem Strang ziehen, auch weil alle eine gute Zeit dabei haben wollten, um letztlich einen guten Film zu schaffen. Dann wird unglaublich kleinteilig gedreht. Da sind vier Kameras und mal werden nur zwei Sekunden aufgenommen. Es wird sehr im Detail gearbeitet.

SR: Ist es schwer als Schauspieler in der Konzentration zu bleiben, gerade wenn nur kurze Momente aufgenommen werden?

last_witch_hunter-0002Es ist schon eine Herausforderung auf den Punkt absolut präsent zu sein, aber da liegt auch der Anreiz. Ich habe bei dieser Produktion wahnsinnig viel gelernt, gerade von den vielen tollen Kollegen. Es wurden aber nicht nur ausschließlich kurze Momente aufgenommen, ich hatte oft auch sehr lange Spielszenen. Es war einfach nur eine großartige Erfahrung mit Leuten wie Vin und Elijah vor der Kamera zu stehen

SR: Richtig, der ist ja auch dabei. Wie war er so?

Ich muss Dir da etwas Lustiges erzählen. Also an einem freien Tag waren wir zusammen im Kino und plötzlich lief der Trailer vom Hobbit und hier habe ich erst realisiert, dass ich neben Elijah Wood sitze und mit ihm arbeite. Er ist ein lieber Kerl, sehr bodenständig und begegnet einem auf Augenhöhe.

SR: Was gibt Dir als Schauspielerin die größte Freude? Das Werk auf der Leinwand zusehen und die Begeisterung der Zuschauer?

Immer einer neuen Herausforderung zu begegnen. Das kann einem zwar auch Angst machen, aber durchaus auch der Motor sein. Wie kann ich mich weiterentwickeln und unterschiedlichsten Figuren Leben einhauchen. Endlich ans Set zu kommen, mit allem was ich allein in meiner Buzze vorbereitet habe (lacht) Am meisten macht mir der Moment Spaß, wo man komplett loslässt und in der Interaktion mit den Kollegen neu agiert und reagiert.

SR: Der Film ist noch nicht draußen und schon gibt es das Gerücht für eine Fortsetzung. Was sagst Du dazu?

Das klingt gut (grinst). Ich weiß, dass es einige Gerüchte gibt, darf dazu aber leider noch nichts offiziell sagen. Ich wünsche mir, dass der Film den Zuschauern gefällt, gerade weil er ein Herzensprojekt von mir, Vin und vielen vielen anderen talentierten Menschen ist, die daran mitgearbeitet haben. Wir haben eine tolle Geschichte mit spannenden Charakteren, die alle ihre Ecken und Kanten haben und es wird für den Zuschauer viele Überraschungen mit unerwarteten Wendungen geben. Ich denke, dass es großes Potential gibt diese Geschichte weiter zu erzählen.

SR: Vielen Dank für das tolle Gespräch.

Sehr gerne und viel Spaß beim Film.

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Siehe auch: [Film] THE LAST WITCH HUNTER

Interview Sascha Leupold
Interview in abgewandelter Form erstmals erschienen in: Nautilus – Abenteuer & Phantastik (fantasymagazin.de)

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