[Game] LOST HORIZON 2

Der Draufgänger Fenton Paddock ist zurück. Die Adventure Entwickler von Animation Arts setzen ihren Hit LOST HORIZON von 2010 fort. Darin suchte Paddock im Jahre 1936 nach dem geheimnisvollen Reich Shamballa in den Bergen von Tibet. Hierbei lernte er die Chinesin Kim kennen und lieben. Damals gelang es einen Sieg über die Bösen zu erringen. Nun 20 Jahre später sucht das Abenteuer Fenton erneut.
Bereits als 1942 ein Doktor geheime Forschungsunterlagen vor den Nazis verbrennen und seine beiden Töchter vor ihnen verstecken muss, arbeitet das Schicksal seinen Plan aus, in den Paddock 14 Jahre später verwickelt wird. Es ist das Jahr 1956, trotz Beendigung des Zweiten Weltkrieges sind noch die Nachwehen zu spüren. Der einstige Pilot und Draufgänger hat sich zu einem liebevollen Familienvater entwickelt. Leider ist seine Frau Kim vor einigen Jahren spurlos verschwunden, weshalb er die gemeinsame Tochter Gwen in einem Internat unterbringen musste. Um ihr Leben zu bezahlen, nimmt er so manchen riskanten Job an. Für die britische Arme muss er in Port Said, Ägypten Aufständische ausspähen, damit die Bomber nicht das falsche Ziel angreifen. Er hat schnell das Versteck ausgemacht, doch sein Partner Tamer meldet sich nicht zurück. Ob er gefangen wurde? Fenton überprüft es. Schließlich muss er aus Ägypten flüchten und trifft dabei auf die Naszijägerin Anna Dietrich, die ihn nicht nur um Hilfe bittet, auch informiert, dass seine Tochter in Gefahr ist. Sie erzählt ihm außerdem vom Kunsthändler Walther Kessler, den sie wegen gestohlener Wikinger Artefakte aufsuchte. Die Spur führte Anna zu einer unterirdischen Bunkeranlage, wo sie Gwen kennenlernte. Leider geriet sie dort in die Fänge des KGB und wurde nach Moskow gebracht. Zusammen mit Anna will Fenton seine Tochter befreien. Zu seinem erstaunen wird sie in einem unterirdischen Forschungslabor festgehalten und dort hineinzukommen, bedeutet in den gut bewachten Kremel einzubrechen. Dort angekommen erfährt er, das die Russen nach einem Schatz der nordischen Götter suchen, welcher unglaubliche Macht verheißt. Doch bevor er auf Schatzsuche gehen kann muss Fenton zusammen mit Anna Gwen befreien.

Fazit:
LOST HORIZON 2 führt langsam eine vielschichtige Handlung ein. Neben dem Hauptprotagonisten Fenton, darf außerdem Anna Dietrich, sowie Gwen ab und zu gespielt werden, was Abwechslung dem Ganzen verleiht. Zum Teil muss sogar zwischen Charakteren gewechselt werden, um Aufgaben gemeinsam zu lösen. Dazu wird nicht nur von Raum zu Raum gerätselt, auch müssen Areale erkundet oder Actioneinlagen im Quicktime Style bewältigt werden. Hier zeigt sich, das neben der Mouse-Steuerung, ebenfalls der Kontroller berücksichtig wurde. Gelungen sind die zahlreichen Anspielungen an bekannte Elemente, wie das gelbe Wasserflugzeug aus Tim & Struppi – Die Krabbe mit den goldenen Scheren oder eben Indiana Jones Punkt zu Punkt Reise auf der Karte. Sich selbst zitiert LOST HORIZON 2 ebenfalls, so sitzt Fenton im gleichen Berliner Café wie im ersten Teil. Schade sind die kleinen Sprünge in der Handlung, wie zum Beispiel als Fenton im Funkraum niedergeschlagen wurde, danach ohne einen Kommentar in einem Raum eingesperrt landet. Auch wird einiges überhaupt nicht erklärt. Was macht Gwen zum Beispiel im Bunker wo Anna sie findet. Klar man denkt sich, dass sie ihrem Vater nacheifert, aber dies kann doch auch erwähnt werden. Selbst im Finale gibt es Verbeugungen vor Indiana Jones und dennoch enttäuscht es. Die Motive der Bösen sind an den Haaren herbei gezogen und das Ende lässt den Spieler mit einem “Das soll es gewesen sein.” Blick zurück. Schade, hier war Potential für Großes.
Die Cutszenes sind eine Mischung aus vorgerenderten Videos und Ingame Grafik, wobei erstere zwar gut animiert und designt wurde, sowie wie ein Film inszeniert wurden, doch leider matschig und verwaschen wirken. Dazu kommt es immer wieder zu einem kurzem schwarzen Bildschirm, wenn zwischen solchen Cuts gewechselt wird. Dies harmoniert ansonsten nicht mit den wunderschönen, detailreichen Hintergründen, die durch Partikeleffekten, sowie gezielten Animationen wie Kaminfeuer oder Wasser sehr lebendig wirken. Die in 3D entworfenen Charaktere sind gut animiert, auch wenn sie hier und da etwas holzig scheinen. Lediglich die Gesichter wirken steif. Hier kann die benutzte Unity Grafik Enigine wesendlich mehr.
Neben den normalen Kombinationsrätseln, gibt es dies zusätzlich in einer Art Minispiel verpackt. Um zum Beispiel zwei Bretter zu verbinden, müssen zunächst alle benötigten Objekte gesammelt und dann diese in der richtigen Reihenfolge angeklickt werden. Neu sind Bewegungsrätsel, wie mit gedrückter Mousetaste eine Tür aufziehen oder eine Kommode verschieben. Weiter gibt es Aufgaben, die in einer gewissen Zeit geschafft werden müssen. Dafür läuft eine Uhr mit. Schafft es der Spieler nicht im Zeitlimit, stirbt er, bzw. wird zum Rätselbeginn zurückgesetzt. Gut sind die Ortsrätsel, so muss in Port Said’s Kanalisation über Brücken der richtige Weg genommen werden. Schade nur, das es einfach mit wenigen Brücken zum herunterlassen gemacht wurde. Hier wäre mehr schon gewesen. Dazu kommen Actionlevels, wie mit dem Motorrad vor Verfolgern entkommen, dazu muss nur ein Button zum richtigen Zeitpunkt gedrückt werden. Die Steuerung ist sehr einfach und nur auf One Mouse Click ausgelegt. Erst anschauen und dann aufsammeln oder Informationen einholen lediglich wenn das Spiel es vorgibt. Für einen Spieler, welcher sich gerne erst einmal umschaut, ist dies ungewohnt, da so unbewußt Aktionen beginnen. Sehr traurig, beim Tutorial kann jederzeit in die Spielelösung geschaut werden. Dies geschieht über den Tagebuch Button. Ein Tagebuch selbst gibt es nicht. Bloss den Spieler nicht mehr mit Denken beanspruchen. Fehlt nur noch der Auto Button, und der Spieler kann das Game wie einen Film verfolgen. Dazu zum Teil sehr große Menü Icons und Inventarleiste, die selbst einen hochauflösenden Monitor zu einem Tablet machen. Dies hätte angepasst werden müssen. Lediglich bei den Hotspots wurde darauf geachtet.
Die Musik ist wunderschön, versprüht Abenteuer Flair und hat etwas Episches. Dazu die mehr als gelungene deutsche Synchronisation mit durchweg erfahrenen Sprechern. Lediglich, das einige Dialoge ohne Pause zu schnell hintereinander ablaufen ist verbesserungswürdig. Gerade weil eine so nicht verstanden werden können. Das Spiel von Deep Silver und Animation Arts kommt in einem wunderschönen Steelbook daher mit schönen Artworks, sowie einer kurzen Anleitung. Vom Design her ähneln Fenton und Gwen auf dem Cover stark den Hauptfiguren Joel und Ellie aus dem Survival Game The Last of Us. Dazu finde ich es persönlich unpassend, das ein junges Mädchen mit einer Waffe posiert, die erweckt einen falschen Eindruck.
Alles in allem ist zwar ein nettes Adventure entstanden, welcher aber dem Vorgänger nicht das Wasser reichen kann. Dies liegt auch an den Rätseln, wo Anspruch vermisst wird. Die Geschichte baut auf einer guten Idee, ist aber sprunghaft und manchmal arm an Erklärungen. Fragen, wie was mit Kim, Gwen’s Mutter, geschehen ist, bleiben offen. Eigentlich wollte Animation Arts LOST HORIZON 2 bereits 2014 veröffentlichen, doch bei den zahlreichen Ungereimtheiten im Spiel lassen sich interne Probleme vermuten. Als Spieler kann LOST HORIZON 2 mehr als 20 Stunden beschäftigen.
Für mich persönlich gehören GEHEIMAKTE: TUNGUSKA und LOST HORIZON zu meinen favorisierten Adventures und deshalb hatte ich mich sehr auf die Fortsetzung gefreut. LH2 macht eine ganze Menge richtig und hat mich unterhalten, aber leider auch enttäuscht, gerade weil die spannende Geschichte unbefriedigend aufgelöst wird.

Daten:
Label: Animation Arts / Deep Silver
System: PC
Art: Adventure
Schwierigkeitsgrad: Leicht
USK: 12


Pressebild der Verfolgungsjagd                                                                                           Die Verfolgungsjagd im Spiel

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