[Game] FACE NOIR

1933 befindet sich New York inmitten einer Wirtschaftskrise. Arbeitslosigkeit ist an der Tagesordnung. Kein Wunder, dass sich dies, auf das Gemüt der Menschen überträgt und gerade das düstere, regnerische Wetter schlechte Laune und Depressionen fördert. Privatdetektiv Jack Del Nero muss darauf erstmal den Geschmack seiner letzten Zigarette mit einem Schluck Wiskey runterspülen. Ihn kümmert all das wenig, überhaupt ist ihm scheinbar alles egal. Ob nun sein russischer Vermieter wegen fehlender Miete Drohschreiben unter der Tür durchschiebt oder Freundin Greta ihn ernahmt den Deckel in ihrer Bar zu bezahlen. Er hangelt sich von Auftrag zu Auftrag. Mal wieder muss er kompromittierende Fotos machen, zwar ist es diesmal anstatt der betrügenden Ehefrau, ein Vater, der wissen will, wer seine Tochter befleckt, wichtig ist nur, das er dafür Kohle kassiert. Nachdem Jack sie in einem heruntergekommenen Hotel ausfindig und entsprechende Fotos gemacht hat, versäuft er umgehend den eingebrachten Lohn. Dann klingelt mitten in der Nacht das Telefon. Jemand bestellt ihn zu den Melville Docks in Brooklyn. Zu Jacks erstaunen findet er seinen alten Partner Sean McLeane tot am Kai liegen. Als er die Leiche untersucht schlägt, ihn jemand nieder und im nächsten Moment sitzt Jack im Vernehmungszimmer der Polizei. Der leitende Beamte Malone kann Jack nicht leiden und hält ihn für schuldig. Zu seinem Glück bezahlt Detective Victoria Diaz, eine gute Freundin Jacks bei den Cops, die Kaution. Kurz darauf steht er wieder frei auf den Strassen Big Apples. Nun liegt es an Jack Beweise für seine Unschuld finden, weshalb er Seans letzte Momente zurückverfolgt. Zum erstaunen stößt er in einer alten Werft auf ein kleines Mädchen, welches der Ex-Partner hier versteckte. Je mehr er ermittelt, desto gefährlicher gerät er zwischen die Machenschaften der Mafia und einer geheimen Organisation namens „Rat der Fünf“. Ihm ist bewusst, dass er den Fall lösen muss, um das Mädchen zu beschützen.

Fazit:
Das klassische Click & Point Adventure FACE NOIR wurde vom italienischen Entwickler Mad Orange geschaffen und von Daedalic veröffentlicht. Die vielschichtige Story wird zum größten Teil aus der Sicht von Jack Del Nero erzählt, wobei ab und zu Zeitsprünge vorkommen, wie zu Beginn, wo der Spieler für eine Szene Sean McLeane kontrolliert. Ansonsten verläuft die Handlung linear. Neben den üblichen Rätseln: „repariere ein Kabel mit Bonbonpapier“ oder „blockiere den Müllcontainer mit einem Rohr“, wurden zahlreiche Minispiele geschickt integriert. So müssen Schlösser geknackt, Puzzles zusammen gesetzt und Kräne richtig positioniert werden. Hierbei ist oft Geduld gefordert und vor allem Aufmerksamkeit. So sollte sich alles angesehen werden, auch das eigene Inventar, und zuhören bei den Dialogen hat ebenfalls Vorteile. Dies ist wichtig um Rätsel und Minispiele zu lösen, weil nur so die Handlung voranschreitet. Da Jack als Ermittler den Verdächtigen spezielle Fragen stellen muss, wurde hieraus ein interessantes Spiel gemacht, indem zwei Aussagen zu einer Frage kombiniert werden. Alles in sich ist immer logisch gehalten und mit ein wenig nachdenken, sind die Rätsel nie ein Problem. Wichtiges Hilfsmittel ist hierbei die Hotspot Anzeige. Ein Hilfesystem oder Tagebuch gibt es nicht und Minispiele können nicht übersprungen werden.
FACE NOIR ist in dieser Hinsicht vielseitig und abwechslungsreich, auch wenn es hilfreich gewesen wäre, dass unwichtige Objekte nach dem Ansehen nicht mehr anzuklicken wären. Der eigene Inventarbildschirm ist schön, um sich die eingesammelten Objekte anzusehen, doch möchte man verschiedene bei Rätseln austesten, so ist es umständlich immer in das Menü springen zu müssen. Dies wurde bei anderen Adventures mit Hilfe des Mausrads besser gemacht. Die Grafik ist zwar durchweg trist, dunkel und gräulich wegen der Handlung, doch die Hintergründe sind detailliert ausgearbeitet, wobei Physikeffekte wie Wasser gut zur Geltung kommen. Die Animationen sind flüssig und das u.a. Jack jedes Mal in den Mantel greift, um das ausgewählte Inventarobjekt herauszuziehen, hat etwas. Bei Dialogen werden recht schöne animierte Nahansichten gezeigt. Leider sind u.a. hier die Hände hier nicht so detailliert und wirken eher wie Fausthandschuhe. Im Gegensatz zu aktuellen Adventures wird nicht ein Widescreen Bildschirm unterstützt, das Bild bleibt immer im 4:3 Fortmat. Die Zwischensequenzen werden größtenteils durch gezeichnete Standbilder mit Jacks Stimme erzählt, also wie beim Film Noir und erinnert an die Zwischensequenzen von ‘Max Payne’. Überhaupt haben sich die Macher an diesen Filmen orientiert und zitieren sie. Zwinkernd finden ebenfalls andere Adventures und Schauspielernamen, wie der Name Del Nero, Erwähnung.
Die deutsche Lokalisierung wurde sehr gut gemacht und die Synchronisation ist stimmig gehalten, auch wenn einige Sprecher den Text emotionslos und abgelesen klingen lassen. Leider fehlte bei einigen Dialogen die Sprache, da waren die Untertitel wirklich wichtig und einige Sounds, wie das vorbeifahrende Auto, hatten Tonaussetzer. Für FACE NOIR wurde ein zur Zeit passender jazziger Soundtrack geschrieben, der dem Spiel als Bonus beigelegt ist. Leider klingen einige Stücke ab und zu etwas nervig, aber so ist halt Jazz. Im Gesamten beeindruckt das Spiel mit einer spannenden interaktiven Kriminalgeschichte und fesselt für 20 bis 30 Stunden.
Die Story ist durchweg spannend und fesselnd. Gerade durch einige Zeitsprünge, die dann aus der Sicht von Jacks Expartner Sean gezeigt werden, sorgen geschickt für Abwechslung.
Achtung nun Spoilere ich!!! Sehr schade ist, das es am Ende heißt: Fortsetzung folgt und die Lösung, worum es in Wirklichkeit geht, also was es mit dem Mädchen und dem “Rat der Fünf” auf sich hat, erst dort erklärt werden soll. Wann und ob wirklich eine Fortsetzung erscheint ist noch nicht bekannt. Mich hat FACE NOIR von Beginn an beeindruckt, die Rätsel sind gut gemacht, es gibt viel zu entdecken und die eine und andere Kopfnuss (Code knacken) muss gelöst werden. Wer Adventures mag, sollte es unbedingt spielen.

Daten:
Label: Mad Orange, Daedalic
System: PC
Art: Adventure
Schwierigkeitsgrad: Mittel
USK: 12

In abgewandelter Form erstmals erschienen in: Nautilus – Abenteuer & Phantastik, www.fantasymagazin.de

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