[Film] LONE RANGER

Wenn im Wilden Westen die Ungerechtigkeit dominiert, dann ist es Zeit für einen Helden aufzustehen. Einer davon ist der maskierte Lone Ranger und sein indianischer Partner Tonto. Gemeinsam nehmen sie es mit dem Skrupellosen Butch Cavendish auf. Doch bevor der Ranger zur Maske griff, hieß er John Reid und wollte nur in seine texanische Heimatstadt Colby zurückkehren. In der Hand hielt er ein frisches Juraexamen, um als Anwalt zu arbeiten und seinem Bruder Dan, ein Marshall und Texas Ranger, für Recht und Ordnung auf seine gewaltlose Art, beizustehen. Doch bereits während der Fahrt fällt John ein merkwürdiger Indianer, dunkel geschminkt und einen toten Raben als Kopfschmuck tragend auf, der zusammen mit dem Outlaw Butch Cavendish gefangen im Zug fährt. Sein mulmiges Gefühl bestätigt sich, als Cavendishs Bande den Zug angreift und ihren Anführer befreit. John bleibt nicht tatenlos und wird durch ungeschicktes Handeln zusammen mit dem merkwürdigen Indianer zusammengekettet. Als ihn dann noch sein älterer Bruder Dan heldenhaft aus der Misere befreit, fühlt er sich wie früher – nicht beachtet und in dessen Schatten stehend, ein Grund warum er einst fortgegangen war. Dennoch versucht er gemeinsam mit dem Indianer Cavendish aufzuhalten, was letztlich in einer spektakulären Entgleisung mündet. In Colby erfolgt für John der nächste Schock, er trifft seine Jugendliebe Rebecca wieder, die inzwischen Dan geheiratet und mit ihm einen Sohn hat. Wieder hat sein Bruder die Nase vorn, denkt er. Dan findet eine Spur zu Cavendishs Versteck und will ihn aufspüren. Er befördert John schnell zum Texas Ranger und lässt ihn mitreiten. Hilflos muss er mit ansehen, wie sie in einen Hinterhalt des Ganoven geraten und letztlich auch ihn eine Kugel trifft. Alle sterben, doch John findet einen Weg aus dem Jenseits zurück, direkt in die Arme von Tonto, der ihm erklärt, dass die Geister ihn zurückschickten, um eine Aufgabe zu erfüllen. Er, Ke-mo Sa-bee wie ihn Tonto nennt, soll Cavendish aufhalten und Gerechtigkeit walten lassen. Weil sein Feind ihn für Tod hält und es auch weiterhin annehmen soll, rät ihm Tonto eine Maske überzustreifen. Dies soll ebenso die Menschen, die er kennt und liebt wie Rebecca und ihren Sohn Danny beschützen. In dem Moment, als sich John die Maske umbindet, ist der Lone Ranger geboren. Zusammen mit Tonto macht er sich auf den Weg Cavendish aufzuspüren. Schnell sorgt er für Aufsehen und jeder spricht über den mysteriösen Cowboy. Sie entdecken, dass mehr hinter der Ermordung von Dan und den Texas Rangern steckt. Eine Verschwörung, in der der fanatische Eisenbahnmagnat Latham Cole verstrickt ist. Da auch die Kavallerie mit Captain Fuller die Seiten gewechselt hat, müssen der Ranger und Tonto ungewöhnliche Wege für Verbündetet gehen. Große Hilfe bietet die rassige rothaarige Red Harrington, Geschäftsfrau in Sachen üppigste Freuden und Vergnügungen, die gerne Klartext mit der Kanone in ihrer Prothese aus Elfenbein redet. Doch so sehr Ranger und Tonto glauben alles im Griff zu haben, desto stärker unterschätzen sie Cavendish damit.

Fazit:
Erschaffen wurde Lone Ranger 1933 von George W. Trendle und Fran Striker für eine regelmäßige Hörspielreihe im Radio. Er wurde markant durch seinen weißen Cowboyhut über der schwarzen Augenmaske, den silbernen Kugeln im Revolver, sowie dem Marshallstern am Revers. Sein schneeweißes Pferd hört auf den Namen Silver und immer wenn sich der Ranger auf die Jagd nach Gesetzlosen macht, peitscht er es mit den Worten: „Hi-ho, Silver!“ an. Immer an seiner Seite schreitet der Indianer Tonto, welcher ihn ‚Ke-mo Sah-bee’ ruft, was ‚zuverlässiger Führer’ und ‚vertrauenswürdiger Freund’ bedeutet. Durch den großen Erfolg entschloss sich Fran Striker Romane über den Helden zu schreiben. Von den Radiofolgen gab es bis 1954 insgesamt 2956. Besonderes hörbares Markenzeichen des Rangers wurde die Finale Ouvertüren Melodie von Gioachino Rossini Oper Wilhelm Tell, die ihn immer heldenhaft untermalte. Schließlich folgte dem Erfolg 1949 eine TV-Serie, die immerhin acht Jahre lang lief. In Deutschland zeigte ‚Das Erste Deutsche Fernsehen’ die Serie 1959 unter dem Titel ‚Die Texas Rangers’ (auf DVD als The Lone Ranger erhältlich). Eine Kuriosität am Rande, Trendle und Striker haben ebenfalls den Helden The Green Hornet/ Die grüne Hornisse erfunden. Sein alter Ego Britt Reid ist ein Nachfahr des Lone Ranger John Reid. Bis heute hat der Ranger nichts an seiner Beliebtheit verloren, so dass bis heute zahlreiche Bücher, Comics und Zeichentrickserien seiner Abenteuer veröffentlicht wurden. Es gab zwar bereits Kinofilme 1956 und 58, sowie 1981 den TV-Film Die Legende vom einsamen Ranger, der in Deutschland erst 1992 auf DVD veröffentlicht wurde, doch Fans mussten für seinen nächsten echten Leinwandauftritt über 50 Jahre warten. Der im Jahr 2003 erschienene TV-Film The Lone Ranger erzählte eine zu moderne Version, so dass er beim Publikum zu umstritten war. Aber auch der Neue Lone Ranger Film hat eine abenteuerliche Odyssee hinter sich. Bereits im März 2002 kündigte der damalige Rechteinhaber Columbia Pictures eine moderne Verfilmung von The Lone Ranger an. Die Kontrolle über das Projekt übernahmen das Produzentenehepaar Douglas Wick und Lucy Fisher (Der große Gatsby). Sie entschieden sich einen ähnlichen Ton wie Die Maske des Zorro anzuschlagen, der einige Zeit zuvor die Kassen klingeln ließ und vom Grundthema her ähnlich war. Also warum nicht kopieren, was schon mal funktioniert hat. Ihre größter Änderungsvorschlag: den Indianer Tonto in eine Indianerin zu verwandeln und als weibliche Liebe aufzubauen. Dies wurde vom Studio skeptisch betrachtet, dennoch legten sie ein Budget 70 Millionen Dollar fest. Mit dem Ergebnis unzufrieden heuerten sie schließlich im Mai 2003 David und Janet Peoples (Blade Runner) für ein neues Skript an. Auch dieses missfiel und im Januar 2005 wurde Laeta Kalogridis (Shutter Island) beauftragt das Peoples Skript umzuschreiben. Zu diesem Zeitpunkt war man sich mit Jonathan Mostow (Surrogates – Mein Zweites Ich) als Regisseur bereits einig. Dennoch kam das Projekt nicht übers Skript hinaus. Schließlich wollte im Januar 2007 die Weinstein Company die Filmrechte erwerben, doch das Geschäft platzte und Produzent Jerry Bruckheimer erhielt zusammen mit Disney im Mai 2007 den Zuschlag. Den Auftrag fürs Drehbuch bekamen Ted Elliott und Terry Rossio, die für Bruckheimer und Disney die erfolgreiche Pirates of the Caribbean Filmreihe geschrieben hatten. Im September 2008 war es dann soweit und Disney kündige ihr Projekt The Lone Ranger an und präsentierte Johnny Depp in der Rolle des Indianers Tonto. Weil dem Studio im Elliot/ Rossio Skript die vielen übernatürlichen Elemente nicht zusagen, beauftragten sie Justin Haythe (Snitch – Ein riskanter Deal) es umzuarbeiten. Mike Newell, der damals im Mai 2009 für Bruckheimer und Disney Prince of Persia: The Sands of Time inszenierte, zeigte Interesse Regie zu führen. Allerdings erklärte Bruckheimer kurz darauf, dass er sich noch auf keinen Regisseur einigen wollte, bis Newell Prince of Persia abgeschlossen und Depp Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten abgedreht hatte. Letztlich kam es doch anders und Bruckheimer und Disney einigten sich darauf die Regie Gore Verbinski zu übertragen, der The Lone Ranger im ähnlichen Stiel wie Fluch der Karibik inszenieren sollte. Die dortige gelungene Mischung aus übersinnlichen Stoff, Humor und Action wollten sie wieder haben. Ähnlich wie in Pirates of the Caribbean werden von Regisseur Gore Verbinski die Atem raubenden Actionszenen, mit bildlichem und sprachlichem Humor vermischt. Gerade Action in Form von rasenden, entgleisenden, explodierenden und abstürzenden Zügen gibt es zu sehen, aber es passt ja, weil es ums Thema Eisenbahn geht. Dies funktioniert erneut durch die grandiose Castauswahl, allem voran natürlich Johnny Depp als Indianer Tonto. Auch wenn sein Charakter zahlreiche Ähnlichkeiten zu Jack Sparrow aufweist, gelingt es Depp Tonto eine ganz eigene Note zu verleihen. An seiner Seite steht Armie Hammer, der bisher nur neben Leonardo DiCabrio in J. Edgar oder als Gebrüder Winklevoss in The Social Network auffiel. Regisseur Verbinski beschreibt ihn folgendermaßen: „Sobald man Armie kennenlernt, merkt man schnell, dass er keinen Funken Zynismus oder Verdorbenheit in seinem Körper hat. Armie blickt mit einem umfassenden, blinden Optimismus auf die Welt. Und wir brauchten genau so jemanden, dem man auch etwas altmodische Ansichten auch abkaufen würde.“
Auch wenn die Rollen vom Ranger und Tonto zu den wichtigsten Besetzungen zählen, würde ein Film nicht ohne gute Darsteller für Ganoven und begleitende Figuren funktionieren. Als skrupelloser narbengesichtiger Bandit Cavendish wurde der charismatische William Fichtner verpflichtet, bekannt als Buchhalter in Drive Angry und Filmen wie Der Sturm, Armageddon und Prison Break. Red Harrington wird von Tim Burton’s Ehefrau Helena Bonham Carter gespielt, die schon oft zusammen mit Johnny Depp spielte, darunter Dark Shadows, Alice im Wunderland und Sweeney Toddt. Den Eisenbahnmogul Latham Cole porträtiert Tom Wilkinson (Batman Begins), Barry Pepper (True Grit) Captain Fuller und James Badge Dale (Iron Man 3) Johns älteren Bruder Dan Reid. Die weibliche Hauptfigur Rebecca wird von der charmanten Engländerin Ruth Wilson verkörpert, die im Film Anna Karenina und der Serie Luther erstmal auffiel. „Als Ruth zum Vorsprechen kam, hat es uns fast umgehauen“, schwärmt Verbinski. „Sie kann besser spielen als die meisten Anderen und hat dieses gewisse Etwas in ihren Augen.“
Für die The Lone Ranger Filmumsetzung scharrten Verbinski und Bruckheimer neben dem Drehbuchautorenteam Elliot, Rossio und Haythe, eine Reihe erfahrener und bekannter Künstler zusammen. Darunter Produktionsdesigner Jess Gonchor, der durch True Grit und No Country for Old Men bereits mit Westernzeitstoff zu tun hatte. Kameramann Bojan Bazelli sorgte bereits in Duell der Magier und Mr. & Mrs Smith für opulente Bilder, die vom Pirates of the Caribbean Cutter Craig Wood und Tron Legacy Cutter James Haygood geschnitten werden. Musikalisch ist Routine und Verbinski/ Bruckheimer Familienmitglied Hans Zimmer erneut zur Stelle. Diesmal hat sich der vielseitige Komponist (Sherlock Holmes, Dark Knight Rises) an Westernmusikexperte Ennio Morricone orientiert, der durch außergewöhnliche Melodien dem Genre seine eigene Note verliehen hatte. Natürlich mischt Zimmer dies mit seinen eigenen großartigen Kompositionen. Damit der Fan nicht meckern kann, lässt er die Wilhelm Tell Ouvertüre in den wichtigsten Szenen einfließen.
Die Blu-ray hat ein scharfes, detailreiches Bild mit passenden Schwarzwerten, sowie läuft wunderbar flüssig. Dazu gesellt sich ein entsprechend ausgesteuerter Ton, der die Szenen räumlich erschafft. Erfreulich ist ebenfalls das interessante, einfache Bonusmaterial über die Produktion.
Lone Ranger ist ein gelungenes Actionfeuerwerk mit viel Humor, der über zwei Stunden mehr als zu unterhalten weiß. Das Team um den Film hat alles richtiggemacht, aber letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob es ihm gefällt oder nicht.

Daten:
Label: Walt Disney Entertainment
Regie: Gore Verbinski
Kamera: Bojan Bazelli – Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Armie Hammer, Johnny Depp, Tom Wilkinson
Länge: 130 Min. / Jahr: 2013
Format: 16:9 – 2.40:1
Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Englisch DTS-HD 7.1
Extras: Entfallene Szenen, Outtakes, Making Of

In abgewandelter Form erstmals erschienen in: Nautilus – Abenteuer & Phantastik, www.fantasymagazin.de