[Film] GLASS

Haben Comics Recht? Gibt es Menschen mit übernatürlichen Super Fähigkeiten? Ohne Frage, es gibt welche mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und welche, die ihre Grenzen überschreiten gerade, um Menschen zu helfen. Ist David Dunn so einer? Er, ein Mann von großer körperlicher Stärke und sehr robust. Jedenfalls beschützt er die Mitmenschen seit Jahren und straft Täter ab. Derweil sorgt eine Entführung von vier Cheerleaderinnen in der Stadt Chicago für aufsehen. Da diese dem Fall um die Entführte Casey Cooke ähnelt, wird vermutet, dass das menschliche Monster ‘The Beast’, eine mächtige Persönlichkeit von Kevin Wendell Crumb, dahinter steckt. David macht sich auf die Suche und trifft auf dessen kindliche Persönlichkeit Hedwig. So findet er die Mädchen und auch das Beast. Die Beiden kämpfen, werden aber letztlich von einer Gruppe Polizisten umzingelt. Angeführt werden sie von der Psychologin Dr. Ellie Staple. Ihr gelingt es sowohl die Persönlichkeiten des Beasts zu erreichen und David zu überreden sich zu ergeben. Beide werden in eine hochgesicherte geschlossene Psychiatrie eingesperrt. Zu David’s Überraschung befindet sich auch der gebrechliche Elijah Price. Gebrechlich wegen seiner glasartigen, empfindlichen Knochenstruktur, die schnell zerbricht. Darum nennt er sich Mister Glass. Vor fast zwanzig Jahren hat er zahlreiche Unfälle mit vielen Toten verursacht, um Menschen mit besonderen Fähigkeiten, wie Comic Superhelden, zu finden. David war einer dieser Menschen und musste ihn zur Rechenschaft ziehen. Nun sitzen diese drei unterschiedlichen Menschen vor Dr. Staple. Sie will ihnen helfen zu erkennen, Menschen mit übermenschlichen Fähigkeiten gibt es nicht. Mit glasklaren Argumenten versucht sie sie zu überzeugen. David beginnt an sich zu zweifeln.

Fazit:
Als Regisseur und Autor M. Night Shyamalan im Jahr 2000 UNBREAKABLE – UNZERBRECHLICH präsentierte, zeigte er in einem packenden Drama eine realistische Sicht auf Comic- und Superhelden. David erkannte seine besonderen Gaben und setzte sie zum Guten ein. Der Film beeindruckte und schon schnell wurde von einer Fortsetzung mit dem Titel GLASS gesprochen, die sich um Elijah Price alias Mister Glass dreht. Aber dann war jahrelang Ruhe und sie wurde bereits abgeschrieben. Shyamalan realisierte weiterhin seine Ideen und so präsentierte er 2016 SPLIT, um die multiplen Persönlichkeiten des Kevin Wendell Crumb. Zum Ende des Abspanns kam dann die Überraschung, begonnen mit dem musikalischen Thema von UNBREAKABLE. In einem Dinner sah Bruce Willis mit dem Namenschild Dunn. Dies schlug ein wie eine Bombe, denn damit gehörte SPLIT zu Shyamalan’s ‘Eastrail 177‘ Universum. Er kündigte an, beide Werke würden auf das Finale seiner Trilogie GLASS hinführen.
GLASS arbeitet mit seinen Vorgängen und bleibt nur bei Vorkenntnissen verständlich. Nach der packenden Konfrontation von Dunn und Crumb, beruhigt sich die Szenerie und konzentriert sich auf die Figuren. Zunächst bleibt Price im Hintergrund, ohne etwas zu tun. Dr. Staple übernimmt die Führung und hinterfragt die Charaktere Dunn und Crumb. Sie ist der Überzeugung, dass Beide nur an schweren Persönlichkeitsstörungen leiden. Ihre Assoziation mit Comicfiguren sei völlig aus der Welt gegriffen. Sie kann auch nicht nachvollziehen, dass jemand diese Literatur ernst nimmt. Es ist zeitverschwendene Unterhaltung, die mit Träumen und dem Glauben spielt und den Blick auf die Realität verwässert. Eine charakteristische Eigenschaft, die weit verbreitet ist und gerade Freunde von z.B. Heldencomics kennen. Hier entstehen im Film einige Längen und Wiederholungen, wenn da nicht kleine Szenen mit Price wären, die zeigen, das man ihn unterschätzt und so eine spannende Atmosphäre aufrecht erhalten. Von der Grundgeschichte bleibt GLASS vorausschaubar und gradlinig. Natürlich gibt es auch überraschende und sogar schockierende Wendungen und Ereignisse, die auch kontrovers betrachtet werden können. GLASS verfolgt seine eigene Linie.
Ein wichtiges erzählerisches Element ist die Bildgestaltung und -führung. Die Kamera bleibt ruhig, kostet Momente aus und spielt mit Licht und Schatten. In dieser Umgebung agieren die durchweg grandiosen Darsteller und reizen alles. Bruce Willis bleibt ruhig, beobachtend und besonnend, dabei spielt er mit seiner Mimik. Samuel L. Jackson ist ähnlich und erzielt mit Minimalspiel viel. James McAvoy lässt wieder offene Münder zurück. Er kostet seine Persönlichkeiten aus, bringt sie an ein Limit, was den Zuschauer in den Bann zieht. Dabei geraten die Anderen fast in den Hintergrund. Anya Taylor-Joy, die ihre Figur aus SPLIT wieder aufgreift, harmoniert eindrucksvoll mit McAvoy. Sarah Paulson, bekannt aus American Horror Story und Ocean’s 8, hat es dabei schwer, gerade weil sie Dunn, Crumb und Price von ihren falschen Vorstellungen überzeugen muss. Erfreulich ist Spencer Treat Clark auch zurück, der damals in UNBREAKABLE Dunn’s Sohn Joseph spielte. Damals zeigte er seine verletzliche Seite, nun kämpft er um seinen Vater und zeigt Selbstbewußtsein. Bilder und Schauspiel werden wie in SPLIT von West Dylan Thordson Musik ergreifend unterhalt und atmosphärisch unterstützt. Damit greift er ebenfalls Themen von Komponist James Newton-Howard aus UNBREAKABLE auf.
GLASS besitzt dramatische Momente und schafft durch Visualität, sowie großartiges Schauspiel eine spannende Atmosphäre. Die Handlung ist einfach und mit unvorhergesehenem vermischt, dazu hat alles einen melancholischen Anstrich. Dr. Staple nimmt die Ansicht der Charaktere und ihre Beziehung zu Comicfiguren regelrecht auseinander, was nicht jedem gefallen mag. Es gibt Längen und so einfach der Film erscheint, besitzt er eine Vielschichtigkeit, die nicht gleich sichtbar wird. Man muss sich aber auch eingestehen, das UNBREAKABLE und SPLIT grösseren Charme besitzen. Dennoch ist GLASS dramatisch, spannend und unterhaltend, selbst wenn er einem am Ende ungewöhnlich vorkommt, denn Eins sollte nicht übersehen werden, GLASS ist der Name des Bösewichts, es ist seine Geschichte.

Daten:
Label: Walt Disney Studios Motion Pictures
Regie: M. Night Shyamalan
Darsteller: Bruce Willis, Samuel L. Jackson, James McAvoy, Anya Taylor-Joy
Musik: West Dylan Thordson – Kamera: Mike Gioulakis
Länge: 129 Min. / Jahr: 2019