[Film] GHOST IN THE SHELL

Tokyo in einer nahen Zukunft. Der Mensch und die digitale Welt haben sich vereint. Kybernetische Prothesen, Cyborgs und die Vernetzung untereinander gehört zum Alltag. Doch damit hat sich auch die Welt der Cyberverbrechen verändert. Die besonderen und komplizierten Fälle übernimmt ‘Sektion 9’. Gerade wird ein Wirtschaftstreffen mit hochrangigen Politikern und Managern überwacht. Zu Recht, denn Unbekannte greifen an und hacken das Cyberbrain eines Vertreters des Konzerns HANKA. Die Täter können durch die tollkühne Aktion von Major überwältigt werden, lediglich der Drahtzieher bleibt verborgen. Bei den Ermittlungen mit ihrem Partner Batou stößt sie auf weitere getötete HANKA Mitarbeiter. Sie suchen den Konzern auf und dabei wird Major mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert oder besser gesagt, muss sie feststellen, dass sie keine besitzt. Sie selbst ist der Prototyp eines besonderes Cyborgs, der auf einem menschlichen Gehirn aufgebaut ist. Schließlich gerät ihre Erbauerin Dr. Ouelet ins Fadenkreuz. Umso tiefer Major die Hintergründe erfährt, umso mehr Fragmente ihrer unbekannten Vergangenheit erscheinen. Dies gefällt dem HANKA Konzernchef Kuze gar nicht und will seine beste Waffe zurückhaben und eröffnet die Jagd nach ihr. So beginnt ein Kampf gegen eine Verschwörung, die das Geheimnis von Major’s Vergangenheit umhüllt.

Fazit:
Die Handlung basiert auf dem Manga von Masamune Shirow und dessen Anime Adaption von Regisseur und Visonär Mamoru Oshii. Wobei aber erwähnt sei, dass in Beiden nicht die Vergangenheit von Major behandelt wird. Gerade aus diesem Grund ist es ein guter Zug gewesen dies aufzugreifen. Erzählerisch ist dies spannend gelungen und mit viel Action untermalt. Die futuristische Welt wird gut dargestellt und auch die Elemente der Verknüpfung von Mensch und Maschine. Im Gegensatz zum Anime der den ‘Ghost’, den Geist in der Maschine, intensiv philosophisch betrachtet, wird hier leider nur an der Oberfläche gekratzt. Hier wäre viel mehr drin gewesen. Dabei wurde sehr viel Wert gelegt insbesondere die Anime Vorlage einzufangen, indem man zahlreiche Szenen Eins zu Eins integriert. Es beginnt mit Major’s Kampf zu Beginn, ihr Wachen über der Stadt, ihre Geburt im Wasser bis hin zu Teilen des Kampfes gegen den Spidertank. Natürlich sind diese Szenen visueller Augenschmaus und doch fehlt die Harmonie mit den Szenen dazwischen. Spürbar sind die Handschriften von zwei unterschiedlichen Regisseuren vertreten. Die von Mamoru Oshii, der übrigens bei seinen Anime Szenen in diesem Film meist selbst auf dem Regiestuhl saß, und jene von Rupert Sanders. Sanders bleibt leider auf Mainstream Level und wagt zu wenig. Die visuelle Gestaltung der Welt und gerade der Figuren können sich sehen lassen. Scarlett Johansson erweckt den Major zum Leben durch gutes Spiel und versucht ihr mit entsprechender Gestik und Mimik Tiefe zu verleihen. Wunderbar zu sehen, das sie zahlreiche Outfits aus den Animes trägt, darunter jenen mit dem dunkelroten Anzug und den kurzen blauen Haaren aus der neusten ‘Arise’ Serie. Ebenso ist Pilou Asbæk (Game of Thrones, Lucy) als Batou sehr passend, er weiß seine Dialoge wirken zu lassen, Sanftheit ins Spiel hineinzulegen und gleichzeitig seine Körperkraft einzusetzen. Überhaupt scheint er direkt aus dem Anime zu kommen. Mit Takeshi Kitano (Zatoichi – Der blinde Samurai) als ‘Sektion 9’ Chief Aramaki kommt einer der bekanntesten japanischen Schauspieler hinzu. Gerade das Aramaki nur Japanisch mit seinem Team redet, gibt seinen Szenen die richtige Würze. Die Musik von Lorne Balfe und Clint Mansell passt hervorragend und zitiert sogar das Anime-Musik Theme von Kenji Kawai. Dazu ist es im Abspann zu hören.
GHOST IN THE SHELL ist ein Manga Meilenstein und wurde als Anime-Film, sowie in mehreren Anime-Serien umgesetzt. Dazu hat es unzählige Filmemacher inspiriert, darunter James Cameron und die Wachowski Geschwister für ihre ‘Matrix’ Reihe. Nun hat es seine Realverfilmung, die sehr gelungen ist, auch wenn sie sich zur Hälfte gerade aus der Animeumsetzung bedient. Mit der Geschichte um Major wird Neues geboten und insbesondere durch die tolle Optik und die grandiosen Darsteller Unterhaltung garantiert. Fühlbar wäre mehr drin gewesen, um ein Meilenstein zu werden, denn die Grundlage dafür gibt es.

Daten:
Label: Paramount Pictures
Regie: Rupert Sanders
Nach dem Manga von: Masamune Shirow
Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche
Musik: Lorne Balfe, Clint Mansell – Kamera: Jess Hall
Länge: 96 Min. / Jahr: 2017

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