[Artikel] OUTLANDER – Auf den Spuren von Jamie Fraser, William Wallace und dem Heiligen Gral

echte_outlanderDie Fantasy Reihe OUTLANDER nach den erfolgreichen Romanen von Diana Gabaldon ist im Fernsehen ein echter Serienhit. Dort schaut sich die junge Krankenschwester Claire Randall während ihrer zweiten Flitterwochen in Schottland zur Zeit des zweiten Weltkrieges, einen alten magischen Steinkreis an. Durch eine Unachtsamkeit berührt sie einen gesprungenen Stein und dessen magische Kräfte versetzen sie ins Jahr 1743, wo sie eine völlig unbekannte Welt empfängt. Ähnlich fühlte ich mich, der von Visit Britain und Visit Scotland zu seinem ersten Besuch nach Schottland eingeladen wurde. Ziel war es, die realen Drehorte der Serie kennenzulernen.

„Die viertägige Reise starte bereits am Flughafen von Edinburgh, wo sich unsere Reisegruppe traf und wir direkt ins Herz der Stadt gefahren wurden. Auch wenn ich als Hamburger Großstädte kenne, unterscheidet sich die schottische Landeshauptstadt von vielen deutschen Städten. Hier überwiegt der klassische, rustikale Baustiel der sich seit dem 15. Jahrhundert aufgebaut hat. Moderne Häuser mit bunten Farben oder Glassfassaden sucht man vergebens. So werden die alten Gebäude in ihren erdigen und schiefergrauen Farben beibehalten. Ob nun Pubs, Restaurants oder Souvenirgeschäfte, alles sieht wie aus dem letzten Jahrhundert mit verschnörkelten Schildern und alten Whiskeyfässern vor den Türen aus. Erster Stopp war die Royal Mile, eine Strasse voller Restaurants und Cafés, die direkt zum Stolz der Stadt, dem Edinburgh Castle führt. Diese gewaltige Burg steht auf einem Basaltkegel eines erloschenen Vulkans, der etwa 120 Meter über dem Meeresspiegel und circa 80 Meter über dem umgebenden Stadtgelände liegt. Trotz  diesem historisch beeindruckendem Wahrzeichen, war mein Reiseziel etwas anderes, denn schließlich wollte ich die realen Filmkulissen von Oulander besuchen. Unser Reiseführer Mac war ein echter Schotte mit Kilt, Knieschoner und Dolch am Unterschenkel, der einem Jamie Fraser selbst optisch das Wasser reichen konnte. Er berichtete, das Edingburgh stolz auf seine Kultur ist, aber auch auf seine größten Persönlichkeiten. Darunter Sean Connery, welcher sich als Ian Flemings James Bond unsterblich machte. Gezielt führte er uns nur einige hundert Meter abseits der Royal Mile zu einem kleinen Café mit roter hölzerner Außenfassade. In Goldschrift stand der Name ‚the elefant house’ drauf geschrieben. Hier wurde Literaturgeschichte geschrieben, denn im Café saß J.K. Rowling stundlang bei wärmenden Tee und schrieb den ersten Harry Potter Roman.

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Harry Potter’s Geburtsort

Unser erster richtiger Stopp lag eine gut Dreiviertelstunde östlich von Edinburgh an der Blackness Bay. Direkt an der Küste steht die Festung Blackness Castle, welche noch in einem recht gutem Zustand war, obwohl sie im 16. Jahrhundert erbaut worden war. Von einem Dudelsackspieler mit traditionellen Liedern empfangen, wurden wir sogleich in die richtige Stimmung versetzt. Für Oulander wurden hier auf dem steinigen Innenhof nahe dem alten Verließ Außenaufnahmen gemacht. Es handelte sich um Jamie’s Auspeitschszene, doch nur die Sicht von seinem blutigen Rücken aus mit einem Blick auf einen Burgeingang vor Felsen. Eine Vordersicht wurde hier zwar auch gedreht, doch nicht verwendet. Die Burg, die dann in der Serie zu sehen ist, ist eine völlig andere. So ist eben Filmmagie, was nicht passt, wird passend gemacht. Dazu gab es in einigen Innenräumen ein paar Aufnahmen, sowie im grünen Rasenvorhof. Ganze zwei Wochen besetzte die Filmcrew zum Jahresende 2014 die Burg. Die damaligen Dreharbeiten der ersten Outlander Staffel dauerten von Oktober 2013 bis August 2014. Schon bei der Hinfahrt auf der schmalen sandigen Zufahrtsstrasse kam mir Blackness Castle aus einem anderen Film bekannt vor. Sie war ebenfalls Kulisse als Festung von Robert The Bruce in Mel Gibson’s Braveheart.

Es ging weiter zur noch gut erhaltenen Schlossruine Linlithgow Palace, dem ehemaligen Wohnsitz schottischer Könige und Adligen. Erbaut wurde das Schloss im 14. Jahrhundert und erhielt bis zum Sechzehnten zahlreiche Erweiterungen. Leider hat ein großer Brand 1746 alle Innenräume zerfressen. Für Oulander wurde sie als Hintergrundansicht benutzt, aber auch für die Gefängnisszene von Jamie, wo Claire zu ihm geführt wird. Der Verwalter berichtete über die erstaunlichen Umbauten im echten Verließ mit falschen Türen und Metallgittern, da es dies in Wirklichkeit nicht mehr gab. Er bestätigte aber, dass es sehr authentisch wirkte und so mal ausgesehen hatte.

Am zweiten Tag ging es von Edingburgh Richtung Stirling, wo nicht nur das eindruckvolle Stirling Castle auf einem Berg über der Stadt thront. Hier steht ebenfalls das William Wallace Monument, welches an die reale Figur aus Braveheart erinnerte. Dazu fuhren wir direkt an den Kelpies Statuen vorbei. Die zwei gigantischen silbernen Metallpferdeköpfe sind zwar moderne Kunstwerke, doch nicht minder beeindruckend. Hübsch sind ebenfalls die alten Bauernhöfe mit grünen Hecken und Steinmauern, sowie den schwarzköpfigen Schafen davor. Shaun das Schaf habe ich also auch im Original gesehen.

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Doune Castle, bekannt als Winterfell

Erstes Ziel des Tages war Doune Castle und ich staunte erneut nicht schlecht. Mac erzählte, das für Outlander vor der Burg ein ganzes Dorf aufgebaut und sogar ein Feld auf dem Shinty, einer schottischen Hockey Variante, gespielt wurde. Nur sah ich nicht die Outlander Burg darin, nein, ich stand vor Winterfell, die Burg der Stark Familie aus der Serie Game of Thrones. Dessen erste Staffel wurde hier ebenfalls gedreht. Sie nutzten sogar für die Bankettsequenz die Innenräume. Outlander dagegen drehte aus logistischen Gründen nicht innen, denn alles Equipment durch die engen Zugänge und über die holprigen Treppen zu transportieren ist sehr aufwendig. Es wurden lediglich Close-Ups und Aufnahmen aus den Fenstern, sowie Innenraumscanns gemacht, um diese im Studio nachzubauen. Durch den Torbogen ging es in einen ummauerten Innenhof mit Brunnen um den sich eine schottische Schülergruppe versammelt hatte. Alle Kinder trugen dunkelblaue Schuluniformen, die mich durch die reale Kulisse sogleich nach Hogwarts versetzte. Ich dachte jeden Moment kommen Harry, Ron und Hermine lachend auf den Hof gelaufen. Für Outlander war der Innenhof mit Schmiede und Ställen ausgestattet worden. Um den echten Untergrund zu schützen, wurde die Kulisse auf einem flachen Holzgestell errichtet. Leider gab es zwischenzeitlich einen großen Regenschauer, wodurch der Boden stark erweichte und schließlich als Schlamm zum Tor hinausgespült wurde. So etwas passiert. Filmkenner nun aufgepasst. Das schöne Doune Castle diente bereits 1975 als Burgenkulisse für Monty Pyhton’s Die Ritter der Kokosnuss. Um die Illusion zu schaffen, dass es sich um verschiedene Burgen handelt, wurde sie jeweils nur von einer Seite gezeigt. In dem Thron- und Speisesaal drehte die Truppe auch den berühmten Camelot Song. Zu jenem Gedenken gab es hier schon mehrfach ein Monty Pyhton Open-Air Kinofest.

Claire in Falkland in OUTLANDER

Als Nächstes fuhren wir ins kleine Küstenstädtchen Culross, welches fast gegenüber von Blackness Castle liegt. Hier wurden für Outlander mehrere Handlungen gedreht. Zum einen die Szene am Dorfplatz mit dem jungen Dieb, der an den Pfahl genagelt wurde. Da nicht überall Kopfsteinpflaster vertreten war, wurde der Asphalt digital entfernt. Dazu strichen sie Häuser, insbesondere die Fensterrahmen um. Im dortigen gelbfarbenen Culross Palace, wo einst Könige schliefen, wurden inmitten des antiken Mobiliars Innenaufnahmen mit Claire gedreht, da sie hier in der Serie einige Zeit lebte. Noch bekannter ist aber der Kräutergarten direkt dahinter, um sich den Claire kümmerte.

Kurz darauf erreichten wir das Dorf Falkland in dem der schottische Königspalast steht. Die Queen hat ihn zwar bisher erst einmal besucht, doch er wird gepflegt falls sie plötzlich mal vorbeischaut. In dem sogenannten Wohnzimmer hängen zahlreiche Herrschergemälde, darunter von Charles dem Zweiten. Seine schwarze Lockenmähne, der schwarze Schnauzer, sowie der rote Mantel mit dem weißen Rüschenkragen inspirierte übrigens um 1950 herum die Charakterdesignerin von Walt Disney’s Peter Pan zu seinem Widersacher Kapitän Hook. In Outlander hat Claire hier mit ihrem Mann Frank die Flitterwochen verbracht. Dafür wurde Falkland ummodelliert, damit es in die Zeit des Zweiten Weltkrieges passt. Hinter dem Monument auf dem Dorfplatz liegt ein kleines Café mit blauer Fassade, welches zu einem Verkaufsgeschäft mit brauner wurde und in dessen Schaufenster Claire die Vase bewundert. Diesem Gegenüber liegt ein weißes Steingebäude mit den schwarz umrandeten Fenstern und Türen, welches als Pension für Claire und Frank diente.

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Die Stadt Falkland

Danach fuhren wir nach St. Andrews zum Hotel. Dort an der Küste führt eine lange Strasse entlang, die für den Sportlerfilm Die Stunde des Siegers (1981) verwendet wurde, insbesondere für die berühmte Sequenz mit der Oscar prämierten Musik Chariots of Fire von Vangelis. Unser erstes Ziel am dritten Tag war das Highland Folk Museum. Hier gab ein kleines Dorf im Stiele des 17. Jahrhunderts, errichtet aus originalen Grundlagen verbliebener und hierher transportieren Bauwerken. Alle Gebäude hatten kurze Grundmauern über denen ein Holzdach mit Reisig errichtet war. Da sie von Grund auf dunkel und kalt sind, hat jedes eine Feuerstelle an der wie damals üblich Torf verbrannt wurde. Um dieses Dorf authentisch zu halten sind alle Häuser mit einfachem Mobiliar und Werkzeug eingerichtet. So gibt es einen Mühlstein für die Mehlproduktion und einen Webstuhl, wo noch heute traditionelle Gewänder hergestellt werden. Dieses Dorf wurde so wie es ist in Outlander gezeigt und Claire beteiligt sich an der Leinenproduktion indem sie in einen Eimer pinkelt. Als Statisten heuerte das Filmteam echte Dorfansässige, die heute noch für die Touristen zeigen, wie es damals war. Nur wird nicht mehr Urin für die Produktion verwendet, sondern Wasser. An einer Steinmauer überredeten die weiblichen Mitglieder meiner Reisegruppe Mac, unseren Jamie, mit ihnen die Mauerszene zwischen Claire und Jamie, wo er ihr Blumen reicht, nachzustellen. Jede hüllte sich in ein schottisches Gewand und Mac mit seinem Kilt passte sowieso. An welcher Steinmauer die echte Szene gedreht wurde, wurde nicht von den Machern verraten.

Danach ging es auf das Culloden Battlefield am Culloden Moor. In einem modernen Museum wird über den dortigen Krieg der Schotten gegen die Rotröcke berichtet. Lebendig kann der Besucher die Geschichte erfahren, sowie sogar durch Videoleinwände inmitten der Schlacht stehen. Wer möchte kann sogar selbst das Moor erkunden und die großen Schlachtenpunkte sowie die Clangräber mit dem Gedenkmonument besuchen. Ich selbst bin recht schnell drüber gegangen, denn es fing an zu regnen und nach zwei Tagen Sonne, erlebte ich erstmals echtes tristes und feuchtes Highland Wetter. Für die Serie wurden hier Schlachtszenen gedreht, sowie die Szene wenn Jamie am Clangrab steht. Unser letzter Tagesstopp lag in Inverness. Die dortigen Clava Cairns sind antike keltische Steinkreise. Um drei große Steinhügel reihten sich Monolithenartige Steine. Es gab sogar einen Gespalteten. Jeder Hügel hatte einen Zugang zum Zentrum, wodurch diese ein wenig an Iglus ohne Dach erinnerten. Obwohl in Outlander der Steinkreis eine zentrale Bedeutung hat, wollten die Macher nicht den Echten benutzen. Sie fürchteten, dass Fans diesen besuchen und sich einen Steinteil als Souvenir mitnehmen wurden, wodurch dieser historische Ort seiner Grundlage beraubt wurde. Clava Cairns dient aber als Inspiration. Wie recht diese hatten, bemerkte ich, als ich sah, wie zahlreiche Touristinnen an einem größeren Stein die Claire Pose für ein Foto nachstellten.

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Redakteur chillt am Loch Ness

Am letzten Tag blieb uns nur noch der Vormittag und so stoppten wir auf dem Rückweg zum Edinburgh Flughafen an einem sagenumwobenen, magischen Ort: Loch Ness. Zwischen grünen Bergen unter blauem Himmel mit strahlender Sonne lag dieser eindruckvolle See. Unser Fahrer Mac holte seinen Dudelsack heraus und spielte Folklore. Wir genossen diesen Moment mit dem einmaligen Anblick. Denn schon in wenigen Stunden würde ich bei ungewissem Wetter zurück in Hamburg sein. Ob ich Nessie gesehen habe? Ich habe wirklich gesucht und gehofft, doch lediglich eine Entenfamilie steckte die Köpfe aus dem Wasser. Auch hier wurden unzählige Dokumentationen und Filme gedreht (Nessie – Das Geheimnis von Loch Ness), sowie Inspirationen geboren. Meine vier Tage Schottland waren ein unvergessenes Erlebnis und ich lernte ein wunderschönes Land viel zu kurz kennen. Die Menschen sind sehr herzlich und offen. Überall ist Schottlands Historie zu sehen und zu spüren.“

Die Nachfrage nach Outlander Touren häufen sich, so dass verschiedene Reiseunternehmen diese anbieten. Überhaupt hat sich gezeigt, dass durch den sogenannten Filmtourismus das Interesse der Menschen für die kulturellen Erben gestiegen ist. Erfreulich ist, dass sich die jährlichen Besucherzahlen allein durch Outlander an den besuchten Orten um mehr als sechzig Prozent erhöht haben, wodurch mehr Geld in ihre Erhaltung fließen konnte.

Vielen Dank an Visit Britain und Visit Scotland.
(C) Bilder/ Pictures – Sascha Leupold

Artikel in abgewandelter Form erstmals erschienen im Magazin: Nautilus – Abenteuer & Phantastik, www.fantasymagazin.de

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Hübsche Aussicht auf Loch Ness
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Highland Falk Museum
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Cafè? in OUTLANDER ein Vasen Geschäft
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Dorfplatz von Culross
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Der Kräutergarten in Culross
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Culross Kräutergarten
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Hauptsaal in Doune Castle
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Innenhof von Doune Castle
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Linlithgow Palace
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Gefängniszelle im Linlithgow Palace
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Blick von der Küste auf Blackness Castle
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Edinburgh Castle
Keltenkreis in Inverness
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So wurde in Doune Castle OUTLANDER gedreht
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Schulklasse in Doune Castle
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Monolith eines echten Keltenkreis in Inverness

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